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Ohne Druck gegen den Rekordmeister

Das letzte Spiel im vorletzten Monat des Jahres is für die MT und ihre Fans ein ganz besonders: Der Gast am Mittwoch in Kassel ist kein geringer als der Deutsche Rekordmeister, aktuelle Tabellenführer der DKB Handball-Bundesliga und Champions League Teilnehmer THW Kiel. Schon seit Monaten sind sämtliche 4.300 Plätze der Rothenbach-Halle ausverkauft. Für alle, die keine Karte mehr für diesen Knaller bekommen haben, gibt es eine gute Nachricht: Das Spiel wird ab 20:10 live und in voller Länge im Free-TV auf Sport1 und außerdem als Radioreportage übertragen.

Alibek Käsler-Foto: Dener Jaanimaa trifft am Mittwoch auf seine ehemaligen Vereinskameraden aus Kiel. Seit 1.10.2016 trägt der Rückraumspieler das MT-Dress.

Ja, es war ein Befreiungsschlag, den die MT-Profis im Europapokal landeten. Fernab des Bundesliga-Alltags spielten sie in der dritten und damit letzten Qualifikationsrunde des EHF-Cup unbeschwert gegen die Kroaten von HC Zamet auf. Und es schien, als wollten sie sich den Frust, hervorgerufen durch die ärgerlichen Niederlagen zuletzt gegen Balingen und Wetzlar, im wahrsten Sinne von der Seele werfen. Gleich 66 mal schenkten sie der überforderten jungen kroatischen Mannschaft in Hin- und Rückspiel insgesamt ein. Dabei war Michael Allendorf kaum zu bremsen. Der Linksaussen setzte sich mit 21 Treffern an die Spitze der Torjägerliste in dieser dritten Runde. Damit hat die MT zum zweiten Mal nach der Saison 2014/15 die Gruppenphase des EHF-Cup erreicht.

Kiel kommt als Tabellenführer

Was am Samstag noch so spielerisch leicht von der Hand ging, wird sich am Mittwoch ganz anders darstellen. Schuld daran wird der Gegner sein. Man muss keine Hellseherqualitäten besitzen, um vorauszusagen, dass es der THW Kiel der MT auf keinen Fall so einfach machen wird, wie vor vier Tagen der kroatische Erstligist.  Der deutsche Rekordmeister hat durch seinem 29:25-Heimsieg gegen den SC DHfK Leipzig seinen Erzrivalen SG Flensburg/ Handewitt zunächst wieder vom Platz an der Sonne verdrängt. Beide sind natürlich in der Champions League unterwegs und beharkten sich dank des nationalen und internationalen Spielplans innerhalb von nur 11 Tagen gleich dreimal. Davon blieb der THW zweimal siegreich, musste aber in der Königsklasse zuhause eine deftige 22:30-Klatsche hinnnehmen.

Wie dem auch sei, die Zebras galoppierten in der Bundesliga aufgrund eines mehr absolvierten Spiels gegenüber den beiden ärgsten Konkurrenten aus Flensburg und Mannheim zunächst wieder an die Tabellenspitze.

Besetzung auf Weltauswahl-Niveau

Bei der MT weiß man aber nicht nur aufgrund dieser Tabellensituation, was für ein Kaliber am Mittwoch auf sie zukommt. Die Kaderliste der Schwarzweissen weist eine hochkarätige Besetzung auf, die auf den meisten Positionen auch einer Weltauswahl zur Ehre gereichen würde. Los geht’s im Tor mit Dänemarks bestem (Landin) und Deutschlands bestem Keeper  (Wolff). Auf den Aussenbahnen zaubern wahlweise Dahmke oder Santos (links) und Ekberg oder Sprenger (rechts). Den Kreis besetzen perfekt Wiencek und Toft Hansen. Und für die Rückraumpositionen hat Trainer Alfred Gislason die Qual der Wahl, sich unter Akteuren wie Lackovic, Dissinger, Bilyk, Duvnjak, Weinhold, Zeitz oder Vujin entscheiden zu müssen. Das sind allesamt Qualitäten, die nicht nur auf dem Papier stehen.

Kann die MT den Rhythmus aus den EHF Cup-Spielen aufnehmen?

Was also tun, im Spiel gegen einen solchen “Übergegner”? Am besten das, was man kann und in vielen Trainingseinheiten zu Automatismen verfeinert hat. Gerade das noch einmal geübt, sozusagen in einer Art Generalprobe, haben die MT-Cracks in besagten Spielen im EHF-Cup. Auch wenn zwischen HC Zamet und THW Kiel Welten liegen, so war es für die Nordhessen zunächst einfach mal wieder wichtig, einen Rhythmus zu finden und ein gutes Gefühl im Spiel zu bekommen. Das ist absolut gelungen. Was sie davon in das Kräftemessen mit dem THW hinüberretten kann, muss sich zeigen.

Über Motivation braucht man vor solchen Spiel jedenfalls nicht zu reden. Die ist zweifellos reichlich vorhanden. Nein, eher gilt es für die MT, nicht zu überdrehen, nicht zuviel zu wollen. Und dadurch vielleicht ins offen Messer zu rennen. Erste Pflicht: Die Abwehr muss stehen! Die drei Keeper Sjöstrand, Verkic und Villadsen haben zuletzt gezeigt, dass sie bereit sind und vor allem auch in der Lage, der Abwehrformation zusätzliche Sicherheit zu bieten. Und wenn sich vor ihnen die Wand aus Philipp Müller, Danner und Maric aufbaut, muss die auch von den Kielern erstmal überwunden werden.

Mit starker Defensive Chancen zum Gegenstoß erarbeiten

Können Bälle gesichert werden, geht es reflexartig in den Gegenstoß. Erste Welle, zweite Welle, notfalls auch in einer dritten wird der schnellstmögliche Weg zum gegnerischen Tor gesucht. Mit Allendorf und Sellin, optional mit Boomhouwer und Haenen verfügt die MT über konterstarke Speerspitzen.

Funktioniert es nicht, sogenannte “einfachen Tore” per Gegenstoß zu erzielen, wird es besonders auf Kapitän Müller, Fahlgren, Vuckovic, Schneider, Rnic oder Jaanimaa (hat bis September noch das Kieler Dress getragen) ankommen, den Aufbau zu organisieren und die Kieler (6:0 ?-)Deckung in Bewegung zu bringen. Gibt es Möglichkeiten, Bälle durchzustecken, lauern mit Maric, Danner oder auch Golla durchsetzungsstarke Nahwurfzonen-Spezialisten auf ihre Torchance.

Die MT weiß wie es geht ...

Alles in allem betrachtet, braucht sich die Mannschaft von Michael Roth also keinesfalls vor dem Champions League -Teilnehmer zu verstecken. Macht sie ganz sicher auch nicht. Denn es ist schließlich noch nicht allzu lange her, dass den Rotweissen ein Coup gegen die Schwarzweissen gelang. Im Mai diesen Jahres überraschte das Roth-Team den Gast von der Förde mit einem 30:29-Sieg. Das war übrigens erst der dritte Erfolg der MT gegen Kiel, solange sich deren beider Wege in der 1. Bundesliga kreuzen. Die anderen 19 Vergleiche gingen zugunsten des Rekordmeisters aus.

“Es tut uns gut, zuhause mal nicht als Favorit in ein Spiel gehen zu müssen. Druck hat eher der THW. Wir wollen das Beste aus dieser Konstellation herausholen. Es wäre für uns gerade jetzt ein sehr guter Zeitpunkt, eine Überraschung zu landen, also Punkte zu holen, mit denen  niemand rechnet”, fasst MT-Trainer
Michael Roth seine Gedanken zum Spiel zusammen.

Auch MT-Vorstand Axel Geerken ordnet die Begegnung mit seinem früheren Club (er spielte dort von 1998 bis 2001) unter diesem Motto ein: “Wir haben zuletzt zwei relative gute Spiele im Europapokal gemacht und damit etwas für unser Selbstbewusstsein getan. Auch wenn die Gegner nicht vergleichbar sind, können wir uns gegen Kiel an dem orientieren, was gegen Zamet funktioniert hat. Wir können in der Tat ohne jegliche nervliche Belastung in dieses Spiel hineingehen und sollten das bei dieser tollen Kulisse auch mit sehr viel Spaß tun”.

Angesichts der 10 Tabellenplätze Unterschied zwischen Herausforderer MT und Favorit THW wäre ein Heimsieg am Mittwoch wohl ein kleines Wunder. Aber auch das soll es im Handball bekanntlich geben. Die MT weiß ja, wie es geht.

Bisherige Ligavergleiche:
22 Spiele, 3 Siege MT, 19 Siege THW.
Die beiden letzten Vergleiche:
22.05.2016, MT Melsungen - THW Kiel 30:29
25.11.2015, THW Kiel - MT Melsungen 32:27

Schiedsrichter in Kassel:
Nils Blümel / Jörg Loppaschewski (beide Berlin); Spielaufsicht: DHB-Schiedsrichterwart Wolfgang Jamelle.

Berichterstattung:
•     Das Spiel ist live im Free-TV auf Sport1 zu sehen. Die Übertragung beginnt am 20:10 Uhr, Kommentator ist Peter Kohl, als Experte fungiert Handball-Ikone Stefan Kretzschmar, Feldreporterin ist Anett Sattler.
•    Jens Nähler berichtet ebenfalls live per Radioreportage auf mixlr.com/radiohna.
•    Für die MT twittern die Fanreporterinnen Antje und Alicia auf twitter.com/mt_fanreporter.
•    Zudem ist die  Pressekonferenz ca, 15 Minuten nach Spielende, als Livestream auf facebook.com/MT.Melsungen zu sehen.

Zur Homepage des THW Kiel geht's hier.

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