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DHB-Pokal: MT schnuppert an der Sensation, verliert aber 28:32

Die MT Melsungen lieferte dem haushohen Favoriten SG Flensburg-Handewitt einen packenden Pokalfight und steht am Ende dennoch mit leeren Händen da. Nach der 18:17-Führung zur Halbzeit leisteten sich die Nordhessen Mitte der zweiten Spielhälfte einen fünfminütiger Durchhänger. Und genau der genügte dem aktuellen Bundesliga-Tabellenführer, um sich vorentscheidend mit vier Toren abzusetzen. Diesen Vorsprung retteten Glandorf & Co. dann clever über die Ziellinie und machten mit einem 32:28-Sieg den Sprung ins Final Four des DHB-Pokals perfekt. Beste Torschützen vor 4.542 Zuschauern in der Flens-Arena waren auf beiden Seiten die jeweiligen Linksaussen: Für die MT Michael Allendorf (11/6) und für die SG Anders Eggert (10/7).

Alibek Käsler-Foto: Michael Allendorf war der sicherste Schütze in Flensburg – der MT-Linksaussen benötigte für seine 11 Treffer nur 12 Versuche.

 Die MT Melsungen erwies sich dem haushohen Favoriten vom Start weg als absolut ebenbürtig. Nachdem sich auf beiden Seiten zunächst die Torhüter auszeichnen konnten, Johan Sjöstrand bei der MT und Matthias Anderson bei der SG, stellten sich auch auf dem Feld erste Erfolge ein. Den Anfang machte Johannes Sellin in der 2. Minute mit dem Führungstreffer für die Gäste. Den Ausgleich besorgte wenig später Anders Eggert von der 7m-Linie aus. 

Der Bundesliga-Tabellenführer versuchte sich abzusetzen, was ihm aber nicht gelang. Eggert hatte zwar gerade erneut per Strafwurf auf 4:2 gestellt, worauf hin Marino Maric – mustergültig in Szene gesetzt von Michael Müller – zum 4:3 aufschloss. Und weil Sjöstrand weiterhin auf dem Posten war, liefen diverse Angriffe der Hausherren ins Leere. Zudem machten sie auch in der Abwehr sie keine gute Figur gegen die taktisch hervorragend eingestellten Nordhessen. Timm Schneider agierte permanent als Übergänger von der Regieposition an den Kreis und schaffte so entweder für sich oder für seine Mitspieler Lücken. 

Nach erneuter Sjöstrand-Parade nutzte Michael Allendorf den folgenden Angriff zur ersten Führung für die MT (4:5, 10.). Das war der Zeitpunkt, ab dem das Roth-Team sich sogar leichte Vorteile erarbeitete. Einmal mehr durch Sjöstrand der kurz hintereinander gegen Lasse Sven und Holger Glandorf parierte. In einem weiteren SG-Angriff stolperte Glandorf in die MT-Abwehr hinein, der erwartbare Pfiff wegen Offensivfoul blieb aus. Stattdessen gab es Siebenmeter für die Hausherren, der von Eggert gegen Villadsen zum 9:8 genutzt wurde. Aber die MT konterte - und wie! Allendorf sprang in einen Pass der Flensburger, macht sich mit dem geklauten Leder auf und davon und markiert den erneuter Ausgleich. 

Nach knapp 20 Minuten schickte Michael Roth Dener Jaanimaa für Michael Müller, der eine Verschnaufpause benötigte, auf die Platte. Weil der Angriff etwas hakte, nahm der MT Coach ein Timeout. Nach Wiederanpfiff wurde es auf dem Spielfeld kurzzeitig ziemlich unruhig. Erst musste der gerade eingewechselte Jaanimaa nach einer Attacke verletzt vom Feld und Michael Müller wieder rein. Kurz darauf mähte Flensburgs nach vorne stürmender Jakob Heinl den MT-Kapitän an der Mittellinie um. Aber Müller berappelte sich wieder und holte mit einem schulbuchmäßigen Wackler nicht nur einen Strafwurf, sondern auch eine gerechte Zeitstrafe gegen Rasmus Lauge heraus. Den Siebener verwandelte Allendorf.

Die verbleibenden knapp 10 Minuten bis zur Halbzeitpause verliefen nach nahezu gleichem Muster: Die MT legte ein Tor vor, die SG glich jeweils aus. Zum Beispiel beim 15:16 durch Marino Maric, dem Eggert per Strafwurf das 16:16 folgen ließ. Danach setzte sich wieder Maric durch und Glandorf markierte das 17:17. Überhaupt war der MT-Kreisläufer kaum zu kontrollieren, holte dann noch einen Strafwurf heraus, den Allendorf zur völlig verdienten 17:18-Halbzeitführung nutzte.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs wartete Flensburgs Coach Ljubomir Vranjes mit Kevin Moeller statt mit Mathias Andersson im Tor auf. Auf der anderen Seite hatte dessen Pendant Michael Roth Momir Rnic für Philipp Müller auf Halblinks beordert. Und der Serbe fügte sich sogleich prächtig ein, erzielte mit seinem ersten Ballkontakt die 17:19-Führung für seine Farben. 

Dann riss Flensburg mit einem 3:0-Lauf wieder das Spiel an sich. Aber nur kurz, weil danach Rnic ein tolles Anspiel auf Maric lieferte, der zum 20:20 ausgleichen konnte. Es sollte der letzte Gleichstand in diesem Spiel bleiben. Denn die Hausherren kamen stärker auf - nicht zuletzt auch deshalb, weil der MT nun vorne einige Fehler unterliefen. Zum Beispiel ein abgefangener Pass beim Stand von 24:23 (41.), den Sellin für Allendorf gedacht hatte. Wäre er nur etwas früher bereits von einem anderen Mitspieler gekommen. 

Wenig später musste Allendorf beim Torwurf über zwei vor ihm im Kreis liegende Flensburger springen, wurde dadurch klar an der sauberen Ausführung des Wurfes gehindert und traf nur den Pfosten. Das Spiel lief weiter und im Gegenzug machte Toft Hansen das 26:23. Danach scheiterte Maric aussichtsreich am immer stärker werden SG-Keeper Moeller. Auf der anderen Seite stand ihm Sjöstrand seinem Positionskollegen in nichts nach, als er Mogensen einen scharfen flachen Ball abkaufte und beim Wurf von Toft Hansen dran war, den Ball aber etwas unglücklich passieren lassen musste. 

Mit einem Dreher wie aus dem Lehrbuch zum 27:24 (48.) weckte Allendorf bei der MT wieder die Hoffnung auf einen knapper werdenden Spielstand. Die jedoch erfüllte sich nicht, da der wieder für Rnic aufs Feld zurück gekehrte Philipp Müller an Moeller scheiterte und Eggert postwendend per Gegenstoß auf 28:24 erhöhte. 

Nun machte sich bei den Gästen auch zusehends der Kräfteverschleiss bemerkbar. Denn die vorgesehenen Entlastungen – etwa Rnic für Philipp und Jaanimaa für Michael Müller – kamen nicht zum Tragen. Dennoch gab sich das Roth-Team noch nicht geschlagen. Mit einem sehenswerten Kempa-Trick – Philip auf seinen Zwillingsbruder Michael – war die MT beim 29:27 wieder in Sichtweite. Ebenso beim 30:28 durch Maric. Zu spielen waren zu diesem Zeitpunkt noch gut drei Minuten.

Die aber nutzte Raums Lauge, der sich gerade kurz zuvor warmgeworfen, um mit zwei weiteren Treffern den Sieg endgültig unter Dach und Fach zu bringen. Das 32:28 des Champions League-Teilnehmers fiel, gemessen am Spielverlauf, etwas zu hoch aus. Die MT verdiente sich mit diesem starken Auftritt höchsten Respekt, kann sich aber dafür letztendlich nichts kaufen. Denn der erträumte Sprung  ins Final Four ist der SG Flensburg-Handewitt vorbehalten.

Michael Roth: Meine Mannschaft hat ein starkes Spiel gezeigt. Wir haben trotz widriger Voraussetzungen an unsere Chance geglaubt und haben auch die richtigen taktischen Mittel gefunden. Aber um eine solche Mannschaft wie Flensburg zu schlagen, braucht man noch etwas mehr. Da müssen dann auch mal einzelne Spieler explodieren, wie dies auf der anderen Seite zum Beispiel bei Moeller oder zum Schluss bei Lauge der Fall war. Dennoch, wir haben uns heute teuer verkauft und sehr lange dem Druck von Außen standgehalten. Dabei hat sich Michael Müller ein besonderes Lob verdient. Er musste heute enorm einstecken - nicht nur körperlich, sondern auch verbal von den Rängen. Letzteres hatte mit sportlicher Fairness dann gar nichts mehr zu tun. 

SG Flensburg-Handewitt – MT Melsungen 32:28 (17:18)

SG Flensburg-Handewitt: Andersson (6/1 Paraden), Møller (8 Paraden, ab 31., bei einem 7m) – Karlsson, Eggert (10/7), Glandorf (4), Mogensen, Svan (7), Jakobsson (2), Heinl, Toft Hansen (2), Gottfridsson (3), Lauge (3), Mahé (1).

MT Melsungen: Sjöstrand (11 Paraden), Villadsen (bei zwei 7m) – Maric (5), Sellin (3), Golla (1), Fahlgren, P. Müller (1), Boomhouwer, Rnic (1), Schneider (3), Allendorf (11/6), M. Müller (3), Jaanimaa, Haenen.

Schiedsrichter: Peter Behrens / Marc Fasthoff (beide Düsseldorf)

Zeitstrafen: 8 – 14 Minuten (Heinl 4, Jakobsson 2, Lauge 2 – P. Müller 4, Maric 2, Sellin 2, Schneider 2, Allendorf 2, M. Müller 2)

Siebenmeter: 7/7– 8/7 (Sellin scheitert an Andersson)

Zuschauer: 4.542, Flens-Arena, Flensburg.

Das nächste MT-Spiel:
Sa., 17.12.16, 19:00 Uhr: MT - Bergischer HC, Rothenbach-Halle, Messe Kassel.

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