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Golla holt mit DHB-Junioren EM-Silber

Johannes Golla (18) holt mit der deutschen Juniorenauswahl bei der U20-Europameisterschaft die Silbermedaille. In einem packenden Finale unterlag das deutsche Team am Sonntagabend in Dänemark gegen Spanien nach Verlängerung mit 29:30. Mehrere "leichte Gegentore", bei denen Spanien in der Verlängerung jeweils "nur" ins verwaiste Gehäuse zu werfen brauchten, verhinderten am Ende den Coup. Der MT-Kreisläufer erhielt im Finale größere Spielanteile, sowohl in der Abwehr wie auch im Angriff. Dort erzelte er drei Tore.

Nach dem Halbfinal-Krimi am Freitag gegen Frankreich, der nach Verlängerung 35:33 gewonnen wurde, standen die deutschen U20-Junioren am Sonntagnachmittag im Europameisterschafts-Finale gegen Spanien. Es war eine zähe Angelegenheit, in der die Spanier immer wieder geschickt das Tempo verschleppten und die Deutschen nicht in ihren Rhythmus kommen ließen. Nachdem es in der 51. Minute noch mit drei Treffern hinten gelegen hatte, kämpfte sich das Team von Markus Baur und Erik Wudtke mit begeisternder Moral zurück und erzwang die Verlängerung. In dieser konnte man zwar zunächst in Führung gehen, musste sich am Ende aber knapp mit 29:30 (27:27, 25:25, 9:12) geschlagen geben. Spanien sicherte sich durch den Sieg den Europameister-Titel und verhinderte somit die deutsche Titelverteidigung. Durch die Final-Teilnahme haben sich beide Teams bereits für die U21-WM im kommenden Jahr qualifiziert, die voraussichtlich in Algerien stattfinden wird.

Von Beginn an wurde das Team von Markus Baur und Erik Wudtke lautstark durch den deutschen Fanblock unterstützt, der schon nach wenigen Sekunden das Kontertor von Lukas Mertens zum 1:0 bejubeln konnte. Beide Abwehrreihen agierten in der Anfangsphase sehr aufmerksam und engagiert, so dass den Angreifern das Leben schwer gemacht wurde. Dessen ungeachtet setzte sich Patrick Gempp nach fünf Minuten schön am Kreis ab und traf zur 3:2-Führung. Wenige Sekunden später kassierte der Großwalllstädter jedoch eine Zeitstrafe und den zudem fälligen Siebenmeter verwandelte Daniel Dujshebaev sicher zum 3:3. Es war bereits der zweite Treffer der Spanier vom Strich.

Der Spieler des FC Barcelona und Sohn von Talant Dujshebaev erzielte darüber hinaus in der zehnten Minute mit einem sehenswerten Unterhandwurf den nächsten Ausgleich, doch nur Sekunden später brachte Franz Semper vom SC DHfK Leipzig das deutsche Team wieder in Front. In der Abwehr rückte Berlins Kevin Struck stets weit heraus und störte die Kreise der Spanier dadurch empfindlich, doch auch er konnte die erste spanische Führung zum 5:6 nach gut 12 Minuten nicht verhindern.

Einen Ballverlust der deutschen Mannschaft bei sieben Feldspielern nutzte Spanien nach 14 Minuten zum Wurf ins leere Tor – es war das 6:8. Ein Foul an Kreisläufer Patrick Gempp eröffnete der deutschen Mannschaft wenig später die Chance zum Anschlusstreffer, doch der bislang so sichere Björn Zintel scheiterte. Auf der Gegenseite verhinderte Mindens Joel Birlehm den drei Tore-Rückstand und nachdem die Spanier sich erneut nur mit einem Foul zu helfen wussten, schritt Björn Zintel erneut zum Siebenmeterstrich – dieses Mal ließ sich der Spieler des ASV Hamm nicht beirren und verwandelte sicher zum 7:8.

Die Spanier gingen ein ums andere Mal übermotiviert zur Sache und kassierten immer wieder die fälligen Zeitstrafen. Dies nutzte Mindens Marian Michalczik in der 21. Minute geschickt aus, als er durch die Abwehrlücke stieß und auf 8:9 verkürzte. Im deutschen Tor stand nun der Potsdamer Paul Twarz und konnte prompt einen Rückraumkracher von Juan Munoz abwehren, war jedoch im folgenden Angriff gegen Ruben Iglesias machtlos, so dass die Spanier erneut mit zwei Treffern vorn lagen.

Die deutsche Bank verlangte nun rund sieben Minuten vor der Pause eine Auszeit, diese verpuffte jedoch wirkungslos, stattdessen konnten die Spanier ihren Vorsprung weiter ausbauen. Die aggressive spanische Abwehr schien die deutschen Spieler zunehmend zu beeindrucken.

Eine weitere Parade von Paul Twarz eröffnete dem Baur-Team drei Minuten vor der Pause die Chance zu verkürzen, doch Lukas Mertens scheiterte von Linksaußen am spanischen Schlussmann. Stattdessen konnte Daniel Dujshebaev per Siebenmeter die Führung weiter ausbauen, ehe sich Moritz Schade energisch am Kreis durchsetzte und auf 9:12 stellte. Mit dem Schlusspfiff des ersten Abschnitts wehrte Paul Twarz einen Wurf vom Kreis ab, so dass es beim drei-Tore-Vorsprung blieb.

Das deutsche Team hatte Anwurf und Björn Zintel verkürzte auf 10:12, allerdings war auch Spaniens auffälligster Akteur, Daniel Dujshebaev, sofort wieder erfolgreich. Ein artistischer Treffer von Lukas Mertens aus dem Nullwinkel ließ die deutschen Fans nach 34 Minuten jubeln. Der Spieler des Wilhelmshavener HV hatte auf 11:14 verkürzte. Ein Treffer von Johannes Golla und eine weitere Parade von Paul Twarz ließ das deutsche Team wieder Morgenluft wittern, doch ein schnell vorgetragener Angriff der Spanier mündete im 12:16 durch Asier Nieto.

Zwar konnte Johannes Golla nach tollem Anspiel von Jerome Müller erneut verkürzen, doch ein umstrittener Siebenmeter brachte den Spaniern die vier-Tore-Führung zurück. Nach dem anstrengenden Spiel am Freitag gegen die Franzosen wirkten die Spieler von Markus Baur und Erik Wudtke ein wenig müde und kamen in der Abwehr oft einen Schritt zu spät, doch die Moral des Teams war weiterhin hervorragend. Nachdem Lukas Mertens erneut erfolgreich war, landete ein langer Ball der Spanier neben dem deutschen Tor.

Die Aufholjagd war eröffnet. Johannes Golla verzeichnete seinen dritten Treffer und brachte Deutschland auf 17:19 heran und wenig später bot sich sogar die Chance zum Anschlusstreffer, die jedoch im ersten Anlauf nicht genutzt werden konnte. Stattdessen war es Spanies Schlussmann Xoan Ledo, der in der 45. Minute ins leere deutsche Tor warf und den drei-Tore-Vorsprung zurückholte. Doch das deutsche Team gab sich weiterhin nicht geschlagen und war beim 20:22 nach 49 Minuten wieder in Schlagdistanz. Der stark aufspielende Franz Semper stellte mit seinem fünften Treffer auf 21:23 und noch waren neun Minuten Zeit, um das Spiel zu drehen.

Als die Spanier erneut mit einem Spieler weniger auskommen mussten, fasste sich Tim Suton ein Herz und traf unwiderstehlich zum 22:23 – „Jetzt geht’s los!“ schallte es von der Tribüne. Insgesamt nahm sich der nach seiner Rotsperre ins Team zurückgekehrte Kapitän wenige Würfe, setzte seine Mitspieler aber immer wieder sehenswert in Szene. Die Spanier drehten noch einmal auf und lagen fünf Minuten vor dem Ende mit 25:23 vorn.

War es im Halbfinale noch Marian Michalczik gewesen, der immer wieder erfolgreich war, so war es in diesem Spiel Leipzigs Franz Semper, der ein ums andere den spanischen Schlussmann narrte. So auch in der 57. Minute als aus der rund neun Metern zum 24:25 erfolgreich war und zwei Minuten später zum 25:25 ausglich. Eine Parade von Joel Birlehm sicherte der deutschen Mannschaft eine Minute vor dem Ende der regulären Spielzeit den Ball und eröffnete die Chance zum Siegtreffer, doch Franz Semper scheiterte als noch zehn Sekunden auf der Uhr waren. Da die Spanier den Ball aber auch nicht mehr im Tor unterbringen konnten, hieß es – wie schon im Halbfinale – Verlängerung!

Wie schon im Halbfinale vernagelte Joel Birlehm nun sein Tor und ermöglichte seinen Vorderleuten dadurch die Chance zur ersten Führung seit der elften Minute – Lukas Mertens nutzte sie und traf zum 26:25. Die Spanier glichen mit einem feinen Heber nach Kempa-Anspiel über die Fingerspitzen aus, doch das deutsche Team hatte nun Blut geleckt. Marian Michalczik traf zur erneuten Führung. Markus Baur schickte weiterhin immer wieder den siebten Feldspieler auf die Platte und Daniel Dujshebaev nutzte dies zum 27:27 ins leere Tor. Dies war auch der Pausenstand.

Die ersten beiden Treffer des zweiten Abschnitts der Verlängerung gingen auf das Konto der Spanier – beide Mal waren es Würfe in das leere Tor, da die deutsche Bank unbeirrt am siebten Feldspieler festhielt und der Ball zweimal verloren ging. Marian Michalczik verkürzte nach 67 Minuten auf 28:29, aber ein Unterhandwurf von Daniel Dujshebaev, der insgesamt zehnmal erfolgreich war, bedeutete zwei Minuten vor dem Ende das 28:30. Tim Suton konnte zwar noch einmal verkürzen, doch die Spanier spielten im letzten Angriff routiniert die Zeit herunter und bejubelten nach dem Schlusspfiff der dänischen Schiedsrichter ausgelassen ihren Europameister-Titel.
(Text: handball-world.com / Fotos: Hubert Kemper, DHB)

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