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Handball-Länderspiel: Viel Lob für ausrichtende MT

Handball-Länderspiel in Kassel. Schon zum dritten Mal nach 2009 (gegen Griechenland) und 2016 (gegen Island), diesmal gegen Österreich. Und wieder als letzte Station der deutschen Nationalmannschaft vor einem großen Turnier, denn direkt im Anschluss folgen die letzten drei Tage Vorbereitung auf das erste WM-Spiel in Rouen (Frankreich) gegen Ungarn am Freitag. Ob bei der Vergabe der Partie eine Rolle spielte, dass auf den Sieg in der Rothenbach-Halle gegen das Heimatland des nach der Weltmeisterschaft scheidenden Bundestrainers Dagur Sigurdsson im vergangenen Jahr der Gewinn des Europameistertitels folgte, ist nicht bekannt. Als gutes Omen darf der 33:16 (17:11) Sieg über die Alpenrepublik am Montagabend allemal dienen.

Obwohl diesmal kein aktueller Melsunger Spieler im Aufgebot stand, bot die Begegnung, oder besser gesagt das Drumherum, dennoch viel Interessantes und vor allem Neues für die MT als Ausrichter des letzten deutschen Vorbereitungsspiels vor dem Saisonhöhepunkt aus internationaler Sicht. Denn erstmals war als übertragende Sendeanstalt Sky Deutschland vor Ort. Und die werden ja, gemeinsam mit ARD und ZDF, ab der kommenden Saison die Spiele der Bundesliga auf die heimischen Fernseher liefern. Mit einem hohen Einsatz von Personal und Technik, um Qualität abzuliefern und neue Maßstäbe in der Bundesligaberichterstattung zu etablieren.

Zusätzlich zu den 40 akkreditierten Pressevertretern und 25 Fotografen aus allen Teilen der Republik brachte Sky noch einmal etwa genauso viel Personal mit. „Allein zehn redaktionelle Mitarbeiter, mit Ex-Bundestrainer Heiner Brand und Ex-Bundesligatrainer Martin Schwalb zwei Experten, dazu sieben Kameras, drei Übertragungswagen und viele Helfer für die Technik bis hin zum Maskenbildner“, zählte Kommentator Karsten Petrzika auf. Ein Blick in den imposantesten Ü-Wagen des Dienstleisters Skyline-TV, der nach Aussage seines Leiters Felix Scheuer „eher eine mittlere Größe“ hatte, lohnte sich. Dort liefen alle Bilder und Informationen aus der Halle zusammen, flimmerten neben Bildern aller Kameras auch die aktuellen Programme von Sky Sport über viele kleine Bildschirme.

Mittendrin Felix Scheuer, der mit Seelenruhe Sprachfetzen aus den Lautsprechern filtert, Infos über ausgefallene Monitore am Kommentatorenplatz bekam und zielsicher ein paar der unzähligen Knöpfe drückte. Sekunden später kam ein „läuft“ an, der nächste Check wartete schon. „Unsere Arbeit fängt etwa acht Stunden vor der Übertragung an“, sagte er. Ein kompletter Arbeitstag also, bevor die eigentliche Aufgabe der Übertragung erst beginnt. Von all der Anspannung vorher, ob am Ende wirklich alles glatt gehen würde, bekam der Zuschauer am Fernsehschirm später nichts mit. Die Übertragung lief nach einer minutiösen Planung mit penibler Umsetzung perfekt ab.

Währenddessen bereiteten sich in der Rothenbach-Halle nicht nur die Spieler vor. Die Schiedsrichter waren angekommen. Ungeplant die beiden Bundesluga-Referees Christoph Immel und Ronald Klein, weil die ursprünglich angesetzten Franzosen aufgrund von Verletzung kurzfristig ausfielen. Unterstützung bekam das deutsche Spitzengespann am Sekretärstisch von Einheimischen: Erik Plettenberg und Karl-Klaus Thöne. „Unser 18. Internationaler Einsatz inzwischen“, sagten sie zu Recht nicht ohne Stolz. Ihre Arbeit wird oft gar nicht als solche wahrgenommen, aber ohne die Männer am weißen Tisch in Verlängerung der Mittellinie geht nichts in diesem schnellen Sport. Kleine Notiz am Rande: beim Länderspiel gab es keinen elektronischen Spielbericht. Wie früher war Handarbeit gefragt, aber auch ohne die unterstützende Technik agierten die beiden Routiniers gekonnt und ohne Probleme: „gelernt ist gelernt“.

Das Spiel selbst lag mangels eigener Teilnehmer nicht im Einflussbereich der ausrichtenden MT Melsungen. Dafür übernahmen die 4.300 Zuschauer in der Halle diesen Part des Abends außerhalb der Spielfeldbegrenzungen. „Es ist unglaublich laut hier“, registrierte Sky-Kommentator Petrzika beeindruckt. Und es war noch viel lauter, wenn kollektives Aufstöhnen einen Fehlversuch des künftigen Melsungers Finn Lemke begleitete oder frenetischer Jubel aufbrandete, als Tobias Reichmann, ebenfalls kommende Saison im Trikot der Bartenwetzer am Ball, einen Siebenmeter ohne viele Mätzchen sicher im Tor versenkte. Doch auch ohne diese Highlights aus speziell heimischer Sicht war das Spiel der deutschen Nationalmannschaft überzeugend genug, den Lärmpegel konstant oben zu halten.

Was bei der sportlichen Analyse des letztlich klaren Erfolges auffiel: allein der künftige Melsunger Finn Lemke blieb der einzige deutsche Feldspieler ohne Torerfolg. „Stört mich das? Nö!“, lachte der Noch-Magdeburger mit spürbarer Ehrlichkeit. Musste es auch nicht, denn dafür blockte der Lange knapp ein halbes Dutzend österreichische Würfe, vornehmlich von Bozovic, im Innenblock einfach weg. „Das ist die Rolle, die mir in der Mannschaft zugeordnet wird. Aber unter anderem dafür wechsele ich ja nächste Saison nach Melsungen, um auch vorn wieder zum Zuge zu kommen“, ordnet er seine persönlichen Wünsche einstweilen klaglos, aber mit einem verschmitzten Grinsen den Teamerfordernissen unter. Und verriet mit dieser Antwort beiläufig, dass im Hinterkopf schon das Bewusstsein da war, in der neuen sportlichen Heimat gespielt zu haben. Von der Stimmung und der Unterstützung in der Rothenbach-Halle war er nach den 60 Minuten im Nationaldress jedenfalls schon sehr angetan: „Die Resonanz der Leute hier war top!“

Was auch der zweite Melsunger Neuzugang für die nächste Saison zu spüren bekam. „Der Empfang hier war schon klasse. Man hat gemerkt, dass der Applaus bei Finn und mir etwas lauter war als bei den anderen“, freute sich Tobias Reichmann. In der Tat ließen es sich die Trommler vom gleichnamigen Fanclub der MT Melsungen nicht nehmen, sowohl bei der Mannschaftsvorstellung als auch bei Spielaktionen der beiden die Stöcke etwas intensiver auf die Felle sausen zu lassen. Im Vorfeld hatte es noch Befürchtungen gegeben, dass die Wadenprobleme des Rechtsaußen, die seinen Einsatz letzte Woche gegen Rumänien verhindert hatten, auch in Kassel zur Schonung führen würden. Doch nachdem Reichmann schon in der ersten Hälfte von der Bank kommend zwei Siebenmeter verwandelt hatte, spielte er den zweiten Durchgang komplett durch. „Ich bin fast wieder da. Es fehlt noch ein ganz klein wenig an den 100%, aber das hole ich mir in den vier Tagen, die noch bleiben vor dem EM-Auftakt gegen Ungarn“, zeigte sich der ehemalige Kieler und jetzige Wahl-Pole zuversichtlich. (Foto: H. Hartung)

Blieb noch die Pressekonferenz mit den Schlüssen, die der Bundestrainer aus dem letzten Test gewonnen hatte. „Das Ergebnis dürfen wir nicht überbewerten. Österreich konnten wir mit unserem ausgeglichenen Kader und unseren Emotionen überrennen. Das wird uns schon gegen Ungarn nicht mehr reichen“, bilanzierte Dagur Sigurdsson. Der zudem seine Entscheidung begründete, erst einmal einen Spieler zu viel, darunter den Ex-Melsunger Jens Schöngarth, nach Hause geschickt zu haben. Wie auch Holger Glandorf, der nach seinem Rücktritt vom Rücktritt zwar Spielpraxis bekam, aber dennoch seine Rolle als StandBy-Spieler behält und nur im Notfall nachnominiert werden soll. Das letzte Wort hatte schließlich DHB-Pressesprecher Tim Oliver Kalle, der sich bei der MT ausdrücklich bedankte „für die hervorragende Ausrichtung des letzten Tests vor der Weltmeisterschaft“. Und damit eigentlich allen aus der Seele sprach, die Teil des perfekt organisierten und abgewickelten Events sein durften. Folgt nun noch eine erfolgreiche WM, könnte sich Nordhessen vielleicht als feste finale Station vor Großturnieren anbieten. Denn bisher gab es in Kassel für die Nationalmannschaft nur nachhaltige Erfolgserlebnisse.

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