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Spannung. Leidenschaft. Euphorie.

HNA-Redakteur Robin Lipke hat noch einmal die entscheidenden Faktoren herausgearbeitet, die zum Sieg über Göppingen geführt haben. In dessen Nachbetrachtung war kennzeichnend für das Match der spannende und auf Augenhöhe geführte Zweikampf, der mit jeder Menge Leidenschaft gespickte MT-Auftritt, die Geduld im Angriff und nicht zuletzt ein phänomenales Publikum (O-Ton Kapitän Michael Müller).

Da war sie wieder, diese Begeisterung, die Handball-Bundesligist MT Melsungen in der vergangenen Saison ausgezeichnet hat. Beim packenden 31:27 (16:16)-Sieg gegen Frisch Auf Göppingen zeigte „unsere Formkurve deutlich nach oben“, wie Trainer Michael Roth zufrieden feststellte. 3609 Zuschauer in der Rothenbach-Halle feierten den heimischen Bundesligisten, der dank dieses Erfolgs einen ersten Schritt aus dem Tabellenkeller unternahm.

MT-Kapitän Michael Müller sprach nach diesem Krimi, in dem kurz vor Schluss noch 27:27 stand, von einem „harten Stück Arbeit“. Tatsächlich ging es in den 60 Minuten hin und her. Weder die Nordhessen noch die Schwaben schafften es sich abzusetzen. Selten war die Formulierung „eine Partie auf Augenhöhe“ so treffend wie an diesem Samstagabend. Erst auf der Zielgeraden machten die Hausherren auch dank Torwart Johan Sjöstrand die zwei Punkte perfekt.

Welche Faktoren ausschlaggebend waren für den Sieg und Mut machen für die kommenden Aufgaben

Faktor Abwehr:

Nun gut, die erste Hälfte hatte etwas von einem fröhlichen Wettschießen. „Das war ein Angriffsspiel“, sagte MT-Spielmacher Patrik Fahlgren. Sowohl Melsungens als auch Göppingens Deckung agierten zu passiv, so dass zahlreiche Treffer durch Würfe aus dem Rückraum fielen. Das Zusammenspiel zwischen Torwart und Abwehr habe nicht geklappt, kritisierte Roth: „Da fällt es schwer, Emotionen aufzubauen.“
Im zweiten Abschnitt „haben wir unserem Torwart viel mehr geholfen“, fasste Fahlgren die Leistungssteigerung zusammen. Die Melsunger Abwehrreihe ging aggressiver zu Werke, setzte erfolgreich die 5:1-Variante ein und hielt so den Göppinger Angriff besser in Schach. Ein positiver Nebeneffekt: Dank der besseren Deckung kam die MT in ihr gefürchtetes Tempospiel und erzielte mehrere Kontertore.

Faktor Geduld:
Apropos Angriff - „da haben wir fast immer gute Lösungen gefunden“, lobte der Melsunger Coach. Sowohl Nenad Vuckovic in der ersten als auch Fahlgren in der zweiten Hälfte hätten das Spiel gut gesteuert. Vor allem der Schwede, zuletzt gegen Flensburg verletzungsbedingt nicht dabei, bestätigte seine aufsteigende Form. Dynamik, Spielwitz, Torgefahr - „ich habe mich super gefühlt. Es ist schön, wenn’s gut läuft“, sagte der 31-Jährige zufrieden. Was den Regisseur freute, war die Tatsache, dass „wir Geduld bewahrt und selten überhastet abgeschlossen haben“. Mit seinem Doppelschlag zum 29:27 und 30:27 in den Schlussminuten führte der Schwede seine Mannschaft zum Sieg.

Faktor Herzblut:
Schön war es vielleicht nicht. Doch die Mannschaft habe bis zum Ende gekämpft und Herzblut gezeigt, sagte MT-Kapitän Müller. Lediglich die Abgeklärtheit habe im Vergleich zur Vorsaison gefehlt. In zwei, drei Situationen hatte es die MT versäumt, ihren Vorsprung auszubauen und schon früher für die Vorentscheidung zu sorgen. Allerdings, und das ist die positive Erkenntnis, haben die Melsunger nach den vergebenen Chancen nicht die Köpfe hängen lassen. Nicht selbstverständlich angesichts der Drucksituation. Denn nicht nur Roth wusste vor der Partie, „dass wir uns keinen Schnitzer mehr erlauben dürfen“.

Umso ausgelassener jubelten die MT-Spieler. Müllers Fazit: „Wir haben Selbstvertrauen getankt. Wir sind auf einem guten Weg. Aber wir sind noch ein Stück von unserer Bestform entfernt.“ Doch die Kurve zeigt nach oben - und so könnte es für die MT durchaus ein angenehmer Oktober werden.

Nach dem Fehlstart in die Saison scheint es beim nordhessischen Bundesligisten nun bergauf zu gehen. Der Heimsieg gegen Göppingen nach toller kämpferischer Leistung gibt Spielern, Verantwortlichen und Fans Grund zur Hoffnung, dass der Knoten endlich geplatzt ist.

Geerken: "Sind in der Region angekommen"

Axel Geerken, Manager der MT Melsungen, freute sich zudem über den Zuspruch der Zuschauer. 3609 kamen gegen Göppingen in die Kasseler Rothenbach-Halle - eine bemerkenswerte Zahl vor dem Hintergrund, dass die MT in den ersten fünf Spielen nicht wirklich geglänzt hatte. „Die Zuschauer kommen trotzdem. Das ist klasse. Wir sind in der Region angekommen“, sagte Geerken. Auch MT-Kapitän Michael Müller hatte einen Kommentar fürs Publikum: „Wie die Fans uns unterstützt haben, ist phänomenal. Sie haben ein Gespür dafür, dass wir sie in unserer schwierigen Situation brauchen.“

(HNA, 03. und 05.10.16; Foto: Alibek Käsler)

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