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Ratlosigkeit und Enttäuschung bei Routinier Eugen Gisbrecht. Auch gegen Kleenheim fehlten seiner Mannschaft nur Sekunden zum Punktgewinn. (Foto: MTT)

Oberliga: Vellmar reloaded - Last-Minute-Niederlage gegen Kleenheim

Die MT Melsungen II entwickelt sich zum Krimi-Spezialisten der Handball-Oberliga. Zum zweiten Mal in Folge mit unglücklichem Ende beim 24:25 (12:12) gegen die HSG Kleenheim. Rekordverdächtige elf Führungswechsel sorgten für viel Spannung. Vielleicht zu viel für die im Durchschnitt noch jungen Bartenwetzer. „Solche Begegnungen sind Lehrstunden für junge Sportler“, sagte MT-Trainer Sviridenko. Hätte die gegen die Mittelhessen seinen Spielern aber dennoch gern erspart.

Gleich der Auftakt ging daneben. Weil im Angriff Präzision fehlte und die Anspiele auf Petr Hruby am Kreis nicht ankamen. Das nutzten die Gäste mit schnellem Umschalten und Tempogegenstößen über David Straßheim zum 1:3, noch ehe die MT so richtig wach war (4.). Erst Maurice Paske gab mit einem gegen Fabian Höpfner gehaltenen Siebenmeter das Startsignal für die Rot-Weißen zu drei Toren in Folge und der ersten Führung durch Hruby (8.). Die Mittelhessen blieben spielerisch dennoch ihrer Linie treu. Stellten eine stabile 6:0-Wand und nutzten jede Unkonzentriertheit der Gastgeber für ihre starke zweite und dritte Welle. Vornehmlich über die pfeilschnelle Flügelzange David Straßheim und Fabian Höpfner, die auch im Positionsspiel kaum zu kontrollieren waren. „Wir wussten um diese Gefahr. Aber Kleenheim hat über den Rückraum viel Druck erzeugt, unsere Deckung nach innen gezogen und so außen die nötigen Räume geöffnet“, erklärte Melsungens Übungsleiter.

Die Folge war das 6:7 durch Dennis Köhler (13.), weil Melsungens Halbe im Rückraum, Merlin Kothe und Jan Grolla, einfach zu viele Versuche für ihre Tore benötigten. Wieder war es Paske, der die neuerliche Wende einleitete. Diesmal mit einem direkten Wurf ins von Jens Elsner zu Gunsten eines weiteren Feldspielers verlassenen Tor zum 7:7, gefolgt vom zweiten parierten Strafwurf Höpfners (10:9, 22.). Dass Kleenheim nach Cornelius Feurings 11:9 bis zur Halbzeit wieder aufschließen konnte, lag an der ebenfalls glänzenden Form des Paske-Pendants Jens Elsner auf der gegenüberliegenden Seite.

Auch der Start in den zweiten Durchgang gehörte trotz weiter starker Aktionen des MT-Keepers den Gästen. Die nutzten eine doppelte Überzahl, als Jan Grolla und Eugen Gisbrecht unmittelbar hintereinander raus mussten, zur Zwei-Tore-Führung (37.). Nicht für lange, weil sich die HSG-Abwehr gegen Petr Hruby nur mit unerlaubten Mitteln zur Wehr setzen konnte. Drei verwandelte Siebenmeter in Folge von Mark Petersen brachten den Vorteil kurzzeitig zum 18:17 auf Melsunger Seite zurück, bevor Christian Keil und der nicht zu bremsende David Straßheim den Spielstand erneut drehten (18:19, 46.).

Beständigkeit war ein Fremdwort in dieser Begegnung. „Immer wieder waren einfache Fehler drin. Wir haben Emotionen gezeigt und auf Rückstände kämpferisch geantwortet, hatten dann aber nicht die Sicherheit, um Führungen zu halten“, sagte HSG-Coach Jens Wohlrab. Merlin Kothe antwortete nämlich prompt per Doppelschlag zum 21:20, Kleenheim erwiderte weitere Melsunger Führungen umgehend, um zum 23:24 abermals die Nase nach vorn zu schieben (Straßheim, 59.). „Wir haben zu wenig mit den Außen gespielt. Als wir in Führung lagen, fehlte uns die Coolness, was sicher den Durchschnittsalter geschuldet war. Außerdem hatten die A-Jugendlichen schon ein Spiel in den Knochen“, fand Sviridenko Erklärungen für die fehlende Konstanz.

An Spannung und Dramatik fügte sich die Partie nahtlos ein in die Reihe der knappen MT-Ergebnisse der letzten Wochen. Diesmal jedoch ohne glückliches Ende. „Es war das gleiche Szenario wie letzte Woche in Vellmar“, zog Melsungens Trainer Parallelen. Auch da fiel die Entscheidung gegen seine Mannschaft erst in den Schlusssekunden. In Überzahl kassierten die Nordhessen kurz vor Spielende Straßheims zehnten Treffer zum 24:25 und scheiterten mit dem letzten Wurf an Jens Elsner. Der das direkte Torhüterduell gegen Maurice Paske zwar knapp verlor, dafür aber mit dieser letzten Parade seiner Mannschaft den Sieg über die Ziellinie brachte. „Das war Kampf, kein schönes Spiel. Entscheidend ist aber, dass wir in dieser so engen Liga jetzt vier Punkte vor Melsungen liegen“, befand Wohlrab zufrieden. Während Sviridenko trotz der Enttäuschung Respekt vor seiner Mannschaft zeigte: „Kompliment, wie sie die letzten Rückschläge aufgearbeitet und weggesteckt hat. In der Entwicklung sind wir schon ein gutes Stück weitergekommen, können aus solchen Spielen aber weiter nur lernen“.

Statistik

MT II: Paske (1 Tor / 18 Paraden / 24 Gegentore), Meyfarth (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.); Rulff, Hruby 3, Bärthel, Kothe 4, Ignatow 1, Damm, Feuring 5, Weiß, Gisbrecht 2, Backs, Petersen 7/6, Grolla 1.

HSG: Elsner (13 P. / 23 G.), Schäfer (bei einem Siebenmeter, 0 P. / 1 G.); Höpfner 8/1, Keil 1, Straßheim 10, Eisenhardt, Heimbach, Köhler 1, Weller, Woiwod 1, Reusch 4/2, Wiener, Kollmann, Friedrich.

Zuschauer: 120 – Schiedsrichter: Götz / Pfuhl (Groß-Umstadt) – Strafen: 8:8 Minuten – Siebenmeter: 6/6:5/3.

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