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Johannes Golla und Florian Weiß können es nicht fassen: auch dieser Angriff mit Abschluss von Merlin Kothe (im Hintergrund am Boden) zerschellt am ESG-Abwehrriegel. (Foto: WMK)

Oberliga: Nach 20 Minuten war das Derby entschieden

Eine empfindliche 19:27 (9:14)-Niederlage kassierte die MT Melsungen II im Oberliga-Derby bei der ESG Gensungen-Felsberg. In einem über weite Strecken emotionsarmen Duell ging der Sieg der Edertaler am Ende vollkommen in Ordnung. „Das war eine klare Sache“, erkannte auch Trainer Georgi Sviridenko an.

Zu schwach präsentierte sich seine Mannschaft über die gesamte Spielzeit, als dass es eine realistische Chance auf einen Punktgewinn gegeben hätte. Auch sein Kollege auf der anderen Seite, Arnd Kauffeld, vermisste die großen Emotionen der Vergangenheit. Aber: „Wir waren angespannt und fokussiert“. Etwas, das man von der MT nur ansatzweise in der Deckung behaupten konnte. Da funktionierte die Innenverteidigung mit Petr Hruby und Johannes Golla zunächst ähnlich gut wie bei der mit ESG mit Christoph Koch und Maik Gerhold. Die Folge: ganz wenig Tore.

Elf Minuten waren bereits vergangen, als Koch seinen zweiten Treffer vom Kreis zum 3:1 erzielte. In Überzahl, weil Golla die Strafbank drückte. Noch bevor Melsungen vervollständigen konnte, traf ESG-Torhüter Marc Lauterbach ins verwaiste Tor, das Fabian Meyfarth zu Gunsten eines sechsten Feldspielers verlassen hatte. Der Auftakt zu zehn ganz bitteren Minuten für die Gäste. Denn Franco Rossel (3) und Jan-Hendrik Walther (2) schraubten das Resultat auf 9:1 hoch, ehe Sviridenko schon die zweite Auszeit nahm. „Wir kamen ganz schlecht rein und haben in diesen ersten 20 Minuten schon das Spiel verloren“, sagte der ehemalige Olympiasieger zerknirscht.

In der Tat liefen die Bartenwetzer diesem Rückstand fortan hinterher. Mit der zusätzlichen Bürde, Lauterbach mittlerweile regelrecht warmgeworfen zu haben. Der parierte in Serie und durfte sich für spektakuläre Doppelparaden gegen Jan Grolla sowie Johannes Golla aus kürzester Distanz feiern lassen. Während Fabian Meyfarth keine Hand an den Ball brachte und nach 25 Minuten seinen Platz für Maurice Paske räumte. Da war Mannschaftskapitän Petr Hruby schon längst nicht mehr dabei. Der hatte sich bereits früh eine Muskelverletzung im Adduktorenbereich zugezogen und erlebte den Rest der Partie auf der Bank. Für ihn rückte Golla an den Kreis, vermochte dort gegen Koch und Gerhold allerdings keine Akzente zu setzen. Immerhin gelang bis zur Pause eine Resultatskorrektur, denn auch die Gensunger hatten längst nicht ihren besten Tag.

Statt nach dem Seitenwechsel den Rückstand weiter abzubauen, was durchaus im Bereich des Möglichen gelegen hätte, reihte sich plötzlich wieder Fehler an Fehler. Knapp eine Minute Überzahl, Max Pregler hatte kurz vor Halbzeit noch eine Strafe kassiert, verstrich ungenutzt. Schlimmer noch: Alexander Bärthel musste ebenfalls runter. Mit wiederum einem zusätzlichen Feldspieler mehr ging vorn der Ball verloren, Jan Pollmer traf über das gesamte Feld. Und nach Merlin Kothes Treffer zum 15:10 war Paske nicht schnell genug zurück im Kasten, so dass Jan-Hendrik Walther vom Anwurf weg aus dem Mittelkreis traf (16:10, 33.). Es lief nichts zusammen bei der MT an diesem Abend.

Positiv bemerkbar machten sich allein die Einwechslungen von Cornelius Feuring, der schon im ersten Durchgang für mehr Druck gesorgt hatte, sowie Fin Backs. Doch obwohl auch Maurice Paske mehrfach glänzend parierte und Jan-Hendrik Otto zwei Siebenmeter abkaufte reichte das nicht, um noch einmal in Schlagdistanz zu kommen. Denn die ESG spielte zwar weiter nicht gut, verfolgte aber dafür trotz vieler Fehler unbeirrt weiter ihre Linie. „Klasse, wie auch unsere jungen Spieler Franco Rossel und Vince Schmidt mutig nach vorn gespielt haben“, freute sich Kauffeld über das clevere Verwalten des Vorsprungs. Auch das Ausscheiden von Max Pregler, der gehandicapt in die Partie gegangen war, nach dessen dritter Zeitstrafe (45.) steckten die Gastgeber weg.

Mit Ausfällen hatte auch Melsungen zu kämpfen, allerdings verletzungsbedingt. Nach Hruby mussten noch Florian Weiß (33., Bänderdehnung im Knöchel) sowie Christian Damm (52., Außenbandverletzung) das Spielfeld vorzeitig verlassen. „Das hat Lücken gerissen, die wir nicht stopfen konnten“, bekannte Sviridenko. Weil Merlin Kothe zu viele Versuche für seine Tore brauchte und Spielmacher Eugen Gisbrecht an alter Wirkungsstätte den Aufbau nicht in die richtigen Bahnen gelenkt bekam. Dass Golla am Kreis Probleme mit dem ungewohnten Spiel ohne Harz hatte und sich schließlich mit Matthias Kienast der dritte Kreisläufer am Duo Koch/Gerhold die Zähne ausbiss, passte ins Bild dieses gebrauchten Tages für die Melsunger. Und so war dann auch die Höhe der Niederlage am Ende keine Überraschung mehr, sondern die logische Konsequenz einer „klaren Sache“.

Statistik

MT II: Meyfarth (0 Paraden, 13 Gegentore), Paske (10 P./ 14 G.); Kienast 1, Golla 1, Hruby, Bärthel 1, Kothe 5, Ignatow 1, Damm 1, Feuring 5, Weiß, Gisbrecht, Backs 3, Grolla 1.

ESG: Lauterbach (1 Tor, 17 P. / 19 G.), Wicke (n. e.); Bauer, Rossel 4, Gerhold 1, Hütt, Schmidt 2, Potthof, Pregler 2/1, Otto 2/2, Schneider, Koch 5, Walther 7, Pollmer 3.

Zuschauer: 800 – Schiedsrichter: Dobhan / Dreier (Münster) – Strafen: 10:14 Minuten – Siebenmeter: 1/0:5/3.

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