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Besiegelten die künftige Zusammenarbeit: Medebachs Bürgermeister Thomas Grosche, Junioren-Nationalspieler Dimitri Ignatow, HCM-Vorsitzender Roy Nimscholz, MT-Spartenleiter Bernd Prauss, MT-Profi Marino Maric und MT-Jugendkoordinator Axel Renner. (Foto: Sebastian Schröder / Westfalenpost)

HC Medebach ist neuer Kooperationspartner der MT Melsungen

Die Handball-Familie der MT Melsungen ist um ein Mitglied reicher. Im Rahmen einer öffentlichen Trainingseinheit für Jugendliche, die von Bundesliga-Profi Marino Maric und Junioren-Nationalspieler Dimitri Ignatow abgehalten wurde, bekräftigten die MT und der HC Medebach ihren Willen, in Kooperation zu gehen. „Das macht uns als kleinen Verein attraktiv sowohl für Aktive als auch für lokale Unterstützer“, freute sich Medebachs Vorsitzender Roy Nimscholz über die künftige Zusammenarbeit. Eine Einschätzung, die auch Bernd Prauss, Spartenleiter Handball innerhalb der Melsunger Turngemeinde, teilt: „Wir erschließen mit solchen Partnerschaften neue Regionen und integrieren sie damit in den nordhessischen Handballsport, der die Basis für uns als erfolgreichsten Verein unserer Region ist“.

Handball ist Mannschaftssport. Einer allein kann mal ein Tor erzielen, aber für gewöhnlich kein Spiel gewinnen. Ein Grundprinzip des ausgeübten Sports, dem die MT Melsungen Rechnung trägt. Umso mehr, als der Bundesligist und Europacup-Teilnehmer es sich auf die Fahne geschrieben hat, das erhaltene Maß an Akzeptanz und Unterstützung zurückzugeben, das dem Club entgegengebracht wurde und wird. Ein Weg dahin ist die Kooperation mit Vereinen der Region, die den Gedanken der systematischen Ausbildung und Entwicklung von Kindesbeinen an tragen und mit Leben füllen. „Es ist uns ein großes Anliegen, diesen Vereinen auf ihren Weg nach Kräften zu helfen. Profitieren tun am Ende beide, und ganz besonders die Jugendlichen, die in den Genuss bestmöglicher Ausbildung nahe ihrer Heimat kommen“, sagt Bernd Prauss.

Der HC Medebach ist so ein Verein, der auf seinem Weg begleitet werden soll. Klein, auf den ersten Blick unscheinbar und in einer Gegend beheimatet, die in erster Linie mit dem Wintersport in Verbindung gebracht wird. Das Sauerland wird assoziiert mit einer der größten Skisprungschanzen der Welt, mit Langlauf, Bob und Rodel. Handball? Ja, ist vorhanden, aber klar im Schatten der winterlichen Sportarten und des Fußballs. Als sich 1982 ein paar Handballer zusammenfanden, lehnte der ortsansässige Sportverein in Winterberg die Aufnahme in die eigenen Strukturen dankend ab. Aus dieser Situation heraus entstand der eigenständige Handballclub Medebach.

Nun ist Talent keinesfalls ein Privileg der traditionellen Handball-Hochburgen. Viele Spitzensportler entstammen Regionen, in denen sie weit über den Durchschnitt herausragten. Aber: wo dieses Talent nicht erkannt und gefördert wird, verkümmert es. Einer der Beweggründe, die Roy Nimscholz an die MT Melsungen herantreten ließen. „Wir möchten Kinder und Jugendliche ausbilden, können sie aber spätestens dann nicht mehr weiterbringen, wenn sie in den Bereich der Auswahlmannschaften vorstoßen“, sagt der Vorsitzende des HCM.

Und da beginnt die Kompetenz des Bundesligisten zu greifen. Unterstützung bei Veranstaltungen, um den Handballsport ins Bewusstsein der einheimische Bevölkerung zu tragen, Hilfe bei der fachlichen Ausbildung der Trainer und Übungsleiter, Leistungssichtung und die Möglichkeit, gerade der interessierten Jugend durch die Nähe zu den Profis Motivation zu vermitteln. Das Leistungspaket der MT Melsungen ist breit gefächert und auf die Bedürfnisse des Kooperationspartners abgestimmt. Im Fall des HC Medebach geht es insbesondere darum, die Basis zu verbreitern. Denn nach einem Fast-Zusammenbruch vor zwei Jahren und der Abmeldung aller Mannschaften aus dem Wettkampfbetrieb steht aktuell der Neuaufbau an.

Das Besondere daran: nicht die Erwachsenen stehen vornan. Die erste Herrenmannschaft spielt in der untersten Klasse und ziert dort das Tabellenende. „Der Klassenunterschied könnte also gar nicht größer sein“, lacht Nimscholz. Dennoch ist jugendlicher Zulauf da, der über ein jährliches Kinderturnier generiert wird, das in diesem Jahr schon zum dritten Mal ausgerichtet wird. Hier ist die Jugend also nicht nur ein Anhängsel der Großen, sondern steht eindeutig im Mittelpunkt der Bemühungen. „Das trifft unsere Vorstellung von Jugendförderung und ist in kleinerem Rahmen gar nicht so weit von unserem Projekt der ‚ballstars‘ weg“, begründet Prauss, warum eine solche, auf den ersten Blick nicht unbedingt schlüssige, Kooperation durchaus Sinn macht.

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