EM-Quali: Am Sonntag in Stuttgart gegen Estland

Wie geplant, kommen im letzten Qualifikationsspiel der deutschen Mannschaft am Sonntag in Stuttgart gegen Estland einige Akteure zum Einsatz, die am Donnerstag in Bosnien nicht vorgesehen waren. Das sind Fabian Böhm, Sebastian Firnhaber, Jannik Kohlbacher und die beiden MT-Profis Tobias Reichmann und Silvio Heinevetter. Ebenfalls von der MT am Sonntag dabei sein werden wieder Julius Kühn, Kai Häfner und Finn Lemke, der übrigens am Freitag seinen 29. Geburtstag feierte. Aussetzen werden dafür Patrick Wiencek, Steffen Weinhold, Andreas Wolff, Johannes Golla und Timo Kastening. Das Spiel selbst hat lediglich statistischen Wert. Die deutsche Auswahl war bereits vor den beiden letzten Matches für die Europameisterschaft im kommenden Jahr qualifiziert.


Tobias Reichmann, hier im Spiel gegen Österreich im Januar diesen Jahres, wird am Sonntag in Stuttgart zusammen mit Silvio Heinevetter, Julius Kühn, Kai Häfner und Finn Lemke die MT-Farben beim Qualifikationsspiel gegen Estland vertreten – Foto: Sascha Klahn/DHB.

Mit Schwung ins letzte Gefecht: Mit der Partie gegen Estland am Sonntag (18 Uhr in der Stuttgarter Porsche-Arena, ab 17:55 live auf Sport1) endet die Qualifikationsrunde für die EHF EURO 2022 für die deutsche Mannschaft. Das 26:24 in Bosnien am Donnerstag war der fünfte Sieg im fünften Spiel – und wenn es nach Bundestrainer Alfred Gislason geht, soll die weiße Weste am Sonntag gewahrt werden: „Die Partie gegen Estland ist ein wichtiges Trainingsspiel für uns. Wir sind qualifiziert, die Esten haben keine Chance mehr, sich für die EM zu qualifizieren, aber wir wollen die Partie nutzen, um uns besser einzuspielen und einige Spieler zu testen“, sagte Gislason.

Mit Blick zurück auf Donnerstag sah er Licht und Schatten: „Bosnien war der erwartet schwere Gegner. Ich hätte mir ein paar Sachen besser gewünscht, die zweite Halbzeit mit mehr etablierten Spielern lief schon besser. Finn Lemke hat sehr gut in der Abwehr gestanden, hat gezeigt, wie wertvoll, er für die Mannschaft ist.“ Ein Sonderlob erhielt auch der zehnfache Torschütze Marcel Schiller: „Mit Uwe Gensheimer sind wir auf Linksaußen top-besetzt, da gibt es einen guten Konkurrenzkampf.“

Insgesamt war der Isländer zufrieden mit der gesamte, bisherigen EM-Qualifikation: „Die ersten zwei Spiele waren holprig und schwierig, die Spiele gegen Österreich waren sehr gut, am Donnerstag war es ein schwieriges Spiel, in dem es für den Gegner um alles ging. Insgesamt war das eine sehr gute Leistung der Mannschaft.“

Mit Blick auf den jüngsten Spieler Juri Knorr und dessen Zukunft meinte Gislason: „Wenn wir einen 14+3 Kader für Olympia auswählen, ist das Alter nicht ausschlaggebend, sondern, wer uns am meisten hilft bei Olympia. Deswegen müssen wir abwarten. Aber Juris Entwicklung ist sehr positiv in Minden, er wächst in die Nationalmannschaft rein, ordentliche erste Hälfte gestern. „

Für einen anderen Spieler war die Partie in Bugojno eine ganz besondere, denn Spielmacher Philipp Weber (SC DHfK Leipzig) führte erstmals in seiner Karriere das DHB-Team als Kapitän aufs Feld: „Das war nicht herausfordernd, aber etwas anderes. Bei mir gab es mehr Nervosität als sonst, vor dem Spiel habe ich mir Gedanken um die richtigen Worte gemacht, um alle heißzumachen. Sonst war ich da Mitläufer, jetzt habe ich es übernommen. Aber insgesamt war es ein sehr schönes Gefühl. Die Nervosität wird sich am Sonntag legen, das zweite Spiele werde ich gut meistern.“

Weber fand, dass Deutschland trotz einer guten Defensive vor einem starken Andi Wolff im Angriff nicht gut ins Rollen kam, aber: „Da wollen wir am Sonntag drauf aufbauen, da wollen wir die Abläufe festigen. Auch wenn es um nichts mehr geht, freuen wir uns auf das Spiel. Wir brauchen mit Blick auf unsere Entwicklung jede Minute. Da fällt das Motivieren nicht so schwer“, meint der Spielmacher, der seine Kapitänsrolle als „schönes Zeichen von Alfred Gislason, aber noch nicht als Ticket nach Tokio“ betrachtet. 

DHB-Sportvorstand Axel Kromer bewertete die Tagesreise nach Bosnien-Herzegowina sogar unter einem besonderen Aspekt: „Wir haben viel Zeit gemeinsam verbracht am Donnerstag, das war so was wie Teambuilding auf bosnischen Landstraßen. Sportlich gesehen war es ein Kampfspiel. Alfred hat einige Spieler durch Durststrecken gehen lassen, mit dem Auftrag: arbeite dich mal raus. Wir sind also froh über zwei Punkte, und alle sind gesund nach Hause gekommen. Nun haben wir ein paar frische Kräfte am Sonntag.“

Mit Blick auf die Olympia-Vorbereitung ab Anfang Juli meint Kromer, dass noch viele Entscheidungen offen seien: „Der Pool für Tokio ist groß, aktuell bestimmt bei 25 bis 30 Spielern, und wir sind noch nicht kurz davor zu wissen, welche 17 mit nach Tokio reisen.  Spiele, Training und Saisonverlauf entscheiden, und wir wissen noch nicht, wie groß der Kader für die Tokio-Vorbereitung sein wird.“ Insgesamt zufrieden ist Kromer mit der EM-Qualifikation, in der man durch die beiden Erfolge gegen Österreich schon im Januar das EM-Ticket buchte: „Das war logistisch schwieriger als andere Runden, sportlich haben wir verschiedene Konstellationen getestet auch mit Blick auf Tokio.“ Vor den Olympischen Spielen seien indes noch zwei Testspiele zuhause geplant, gab der DHB-Sportvorstand bekannt.

Das aktuelle Aufgebot der deutschen Handball-Nationalmannschaft:

Tor: Silvio Heinevetter (MT Melsungen), Till Klimpke (HSG Wetzlar)
Linksaußen: Marcel Schiller (Frisch Auf Göppingen), Rune Dahmke (THW Kiel)
Rückraum links: Julius Kühn (MT Melsungen), Sebastian Heymann (Frisch Auf Göppingen), Finn Lemke (MT Melsungen), Fabian Böhm (TSV Hannover-Burgdorf)
Rückraum Mitte: Philipp Weber (SC DHfK Leipzig), Juri Knorr (TSV GWD Minden)
Rückraum rechts: Fabian Wiede (Füchse Berlin), Kai Häfner (MT Melsungen)
Rechtsaußen: Tobias Reichmann (MT Melsungen), Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen)
Kreis: Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen), Sebastian Firnhaber (HC Erlangen)
(Quelle: dhb.de)