Geschafft! MT im Viertelfinale

Die Reise in der EHF European League geht weiter. Dank eines 29:25 (14:13)-Sieges im Playoff-Rückspiel gegen den VfL Gummersbach ist die MT Melsungen ins Viertelfinale eingezogen.

Es ist geschafft. Aufholjagd vollbracht. Mit Herzblut und Leidenschaft hat die MT Melsungen die Runde der besten acht Mannschaften in der EHF European League erreicht. Am Dienstagabend bezwangen die Nordhessen im Playoff-Rückspiel den VfL Gummersbach 29:25 (14:13) und machten damit die 26:29-Niederlage aus dem Hinspiel wett.

Das Personal – wichtiges Thema, auch bei den Gästen aus dem Oberbergischen. Denn bei Gummersbach fiel Nationalspieler Julian Köster aus, der sich einer Knieoperation unterziehen musste. Aufseiten der Nordhessen lief der Kader wie zuletzt auf Sparprogramm. Obendrein ging der gerade erst genesene Elvar Örn Jonsson angeschlagen ins Spiel. Im Abschlusstraining hatte sich der Isländer am rechten Sprunggelenk verletzt und verfolgte dieses wichtige Spiel fast nur von der Bank aus. 

Fernab aller personellen Pechsträhnen legten beide Teams los wie die Feuerwehr. Die Gäste wirkten zunächst den einen Tick spritziger, und Schlussmann Dominik Kuzmanovic präsentierte sich direkt auf Betriebstemperatur. Nach dem zweiten Treffer von Milos Vujovic lag der Altmeister erst mal 4:2 in Front (5. Minute).

Aber die MT fand besser ins Spiel, biss sich hinein, und das äußerst sehenswert: klasse Zuspiel von Erik Balenciaga (Foto: Käsler), Adrian Sipos zum 5:5 (9.). Die MT-Deckung machte dem VfL das Leben nun wesentlich schwerer, Nebojsa Simic zeichnete sich mehrfach aus – großartig seine Parade gegen Lukas Blohme. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit ordentlich Schmackes, ohne dass sich ein Team absetzen konnte. Dank des dritten Treffers von Dainis Kristopans kurz vor der Sirene ging die MT mit einer 14:13-Führung in die Pause.

Zur Erinnerung: Die Nordhessen mussten einen Drei-Tore-Rückstand aufholen und mit vier Treffern gewinnen, um die nächste Runde zu erreichen. Am Spielverlauf änderte sich nach Wiederbeginn aber vorerst nichts. Die MT gab alles, doch der VfL hielt dagegen – nach Balenciagas Treffer zum 18:18 traten die Nordhessen weiter auf der Stelle (40.).

Nichts für schwache Nerven. Die mit 2.851 Zuschauern gefüllte Rothenbach-Halle hatten die MT-Fans längst in einen Hexenkessel verwandelt. Spätestens als Balenciaga auf 22:19 (45.) stellte und damit erstmals den Rückstand aus dem Hinspiel ausglich, spürte wohl jeder: Hier geht was.

Niemand saß mehr. Es wurde hektisch nach Ian Barrufets Roter Karte (46.). Es wurde extrem laut nach zwei, drei umstrittenen Situationen. Und es gab kein Halten mehr, als Marti Soler zum 27:23 verwandelte und die MT mit vier Toren in Führung brachte (53.). Dass Simic zweimal glänzend parierte und Timo Kastening per Siebenmeter für das 28:23 sorgte (56.), beförderte den Geräuschpegel in Regionen, die bei jedem Ohrenarzt Sorgenfalten hervorrufen würden.

Unglaublich, welch einen Kampf die MT bot. Und welche Dramatik: Erst traf Moraes spektakulär zum 29:24 (58.), kurz danach musste der Brasilianer nach seiner dritten Zeitstrafe das Spielfeld verlassen. Obendrein verkürzte Mathis Häseler auf 29:25. Aber egal: Die MT brachte den nötigen Vier-Tore-Vorsprung über die Zeit und zieht ins Viertelfinale ein. Dort trifft sie auf den spanischen Klub Bidasoa Irun. (Robin Lipke)

Statistik
MT Melsungen:
Simic (6 Paraden / 25 Gegentore), Morawski (n.e.); Enderleit 4, Balenciaga 2, Sipos 2, Kristopans 3, Ignatow, Moraes 4, Danner, Jonsson, Soler 1, Svensson 2, Kastening 7/1, Barrufet 4/3 – Trainer Roberto Garcia Parrondo.

VfL Gummersbach: Kuzmanovic (10 Paraden / 27 Gegentore), Obling (1 P. / 2 G.); Kodrin, Vujovic 5/2, Blohme, Häseler 2, Einarsson, Schluroff 4, Tskhovrebadze 3, Mahé, Pregler 6, Horzen 4, Kiesler, Zeman 1 – Trainer Gudjon Valur Sigurdsson.

Schiedsrichter: Andreas Daviknes Borge / Magnus Muri Nygren (Norwegen); EHF-Delegierter: Denis Reibel (Frankreich).

Zeitstrafen: 10 – 12 Minuten (Moraes 13:21/47:59/58:37, Enderleit 29:45, Barrufet 45:35 – Blohme 15:49, Kiesler 18:02, Schluroff 20:25, Horzen 34:47, Kodrin 41:48); Disqualifikation: Barrufet 45:35, grobes Foulspiel, Moraes 58:37, 3 Zeitstrafen.

Strafwürfe: 4/4 – 2/2

Zuschauer: 2.851 in der Rothenbach-Halle, Kassel

Spielstände: 0:1 (2.), 1:1 (3.), 2:4 (5.), 7:5 (12.), 10:10 (23.), 12:12 (28.), 13:13 (30.), 14:13 (30.) HZ – 14:14 (32.), 18:18 (40.), 22:19 (45.), 22:21 (48.), 24:21 (50.), 27:23 (53.), 28:24 (56.), 29:25 (59.) Endstand.