KAMPFSPIEL OHNE HAPPY END – MT GIBT PUNKT IN SOLINGEN AB

Die MT Melsungen wartet noch auf ihren ersten Saisonsieg in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga. Am Donnerstag mussten sich die Nordhessen beim Bergischen HC mit einem 24:24-Remis begnügen. Nach der 11:8-Führung zur Halbzeit verteidigte das Grimm-Team einen knappen Vorsprung bis zur 55. Minute, ehe die Gastgeber mit einem Kraftakt und begünstigt durch einige individuelle Fehler der Rotweißen aufschließen konnten. Kai Häfner ließ den mitgereisten Anhang 15 Sekunden vor Schluss mit dem Führungstreffer zum 24:23 jubeln. Nach einer letzten Auszeit des BHC fasste sich in der buchstäblich letzten Sekunde der 1,87 m große Ragnar Johansson ein Herz und erzielte von der Rückraum Mitte-Position per Sprungwurf den Ausgleich. MT-Trainer Heiko Grimm war zwar mit der kämpferischen Steigerung seiner Schützlinge gegenüber dem Spiel gegen Flensburg zufrieden, verständlicherweise aber nicht mit dem Ergebnis. Beste Torschützen vor rund 2.400 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Solinger Kingenhalle waren Julius Kühn (7) für die MT und Sebastian Damm (6/2) für den BHC. Eine starke Leistung im Tor lieferte Nebojsa Simic, der unter anderem drei Siebenmeterwürfe vereitelte (Foto: A. Käsler).

Die MT kam gut ins Spiel. Gleich im ersten Angriff überraschte Julius Kühn BHC-Keeper Christopher Rudeck mit einem scharfen Wurf ins lange untere Eck. Bei den Gastgebern hingegen platzte erst in deren drittem Angriff der Knoten, Kristian Nippes markierte den Ausgleich. Der postwendend erneut von Kühn mit dem gleichen Wurf erfolgreich beantwortet wurde wie zum Auftakt. Und dann trat Nebojsa Simic auf den Plan, vereitelte gleich dreimal in kurzen Abständen gegen die aussichtsreich vor ihm auftauchenden Löwen Jeffrey Boomhouwer und Max Darj und entschärfte dann noch einen Boomhouwer-Strafwurf. Im Gegenzug setzte Kühn seinen dritten Treffer und nach einem erfolgreichen Steal von Michael Allendorf war der Traumstart perfekt (1:4, 9. Min.).

Die Abwehrreihen fungierten hüben wie drüben als 6:0-Formation (die MT mit Finn Lemke und Felix Danner als Innenblock) und sie konnten sich jeweils auf starke Keeper verlassen. Denn nicht nur Nebojsa Simic zeigte sich gut aufgelegt, sondern auch dessen Gegenüber Rudeck, der bis dahin Julius Kühn und Kai Häfner jeweils einen Ball abgekauft hatte.  

Die Bergischen Löwen ließen sich von dem Rückstand nicht beirren und schafften innerhalb von gut 3 Minuten mit einem 3:0-Lauf (Sebastian Damm von Linksaußen und von der Siebenmeterlinie, dazwischen Linus Arnesson mit herrlichem Dreher) den Ausgleich (4:4, 13.). Der weitere Spielverlauf folgte dem Muster: Die MT legt vor, der BHC gleicht aus. Um in der 19. Minute durch ihren stärksten Angreifer Sebastian Damm der nun seinen vierten Treffer in Folge markierte, gar erstmalig in Führung zu gehen (7:6, 19.).

Das war für Heiko Grimm Anlass genug, die erste Auszeit zu nehmen. Wie über die SKY-Mikrofone am TV-Schirm zu hören, mahnte der MT-Coach seine Schützlinge an, wieder mehr Struktur in den Angriff f zu bringen und gab zudem konkrete Spielzüge vor. Die Ansprache fruchtete, wie die drei dann folgenden Aktionen zeigten: Der für den bis dahin noch etwas glücklosen Kai Häfner eingewechselte Stefan Salger traf per Sprungwurf zum 7:7. Dann gelang Dimitri Ignatow, der den wegen einer Handprellung pausierenden Tobias Reichmann vertrat, über Rechtsaußen das 7:8, ehe Lasse Mikkelsen einen Nachwurf zum 7:9 verwandelte (25.).

Nun unterbrach Sebastian Hinze per Timeout und forderte seine Spieler auf, konsequenter zu decken und keine Bälle leichtfertig an den Gegner zu geben. Prompt kam die MT über Michael Allendorf zu einem Gegenstoß, den der Linksaußen aber nicht an Rudeck vorbei ins Tor bringen konnte. Kurz darauf machte es Finn Lemke besser, der MT-Kapitän lochte aus der Nahwurfzone zum 7:10 ein.  Nach dem 8:10 durch Kreisläufer Max Darj hatte Lasse Mikkelsen noch zwei Gelegenheiten, von denen der MT-Regisseur aber nur die erste zum 8:11 Halbzeitstand nutzen konnte.

In den ersten fünf Minuten des zweiten Durchgangs dominierte die MT das Geschehen noch etwas deutlicher und baute ihren Vorsprung auf vier Tore aus (10:14). Eine Zeitstrafe gegen Finn Lemke nutzte der BHC in Person von Ragnar Johannsson zum 11:14 (36.). Kurz darauf parierte Nebojsa Simic einen Wurf von Linus Arnesson, um eine Minute später das 12:14 hinnehmen zu müssen.  Der MT gelang es in der Folge, den Kontrahenten auf diesem Abstand zu halten. Dabei hatte sie durchaus Chancen ihn noch zu vergrößern.

Warum das nicht gelang, lag jeweils an Kleinigkeiten, die jedoch stets eine Konsequenz hatten. Sei es ein Ballverlust bei Überzahl, eine Zweiminutenstrafe oder etwas unvorbereitete Würfe. Diese Aussetzer spielten dem Gegner in die Hände, ermöglichten ihm weitere Tore. Und hätte Nebojsa Simic in dieser Phase nicht noch den ein oder anderen Wurf entschärft, wäre der Vorsprung noch eher dahin gewesen. Dennoch waren die Nordhessen beim18:20 durch Lasse Mikkelsen in der 51. Minute weiterhin auf einem guten Weg, das Spiel letztlich zu ihren Gunsten zu entscheiden.

Mit zwei Toren in Folge führte Linus Arnesson seine Löwen dann aber doch zum Ausgleich (20:20, 55.). Nun sollte es noch einmal richtig spannend werden. Zumal fortan die Treffer wieder im Ping-Pong-Modus fielen, wie dies schon phasenweise im ersten Durchgang vorkam. Das heißt, die MT legte vor und der BHC glich aus. Kai Häfner war es dann, der mit letztem Einsatz aus einer schwierigen Position zum Tor den Ball vorbei an Rudeck bringen konnte und damit 15 Sekunden vor Schluss die Herzen der mitgereisten MT Fans höherschlagen ließ.

Aber die Hausherren hatten ja noch Zeit für einen letzten Angriff. Die MT-Abwehr hatte sich postiert, rechnete wohl mit einem Anspiel an Rafael Baena, den bulligen Mann am Kreis. Stattdessen kam der für einen Rückraumspieler mit 187 cm Körperlänge nicht gerade großgewachsene Ragnar Johannsson in einem Halbbogen zur Mitte um von dort den Ball per Sprungwurf zum 24:24-Endstand ins MT-Tor zu befördern.

Heiko Grimm:
Natürlich können wir mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir fast das gesamte Spiel über in Führung gelegen haben. Die erste Halbzeit geht absolut in Ordnung. Unsere Mannschaft hat hier großen Willen gezeigt – so wie man das auch erwarten darf – und bei nur acht Gegentoren den BHC weitestgehend im Griff gehabt. In der zweiten Halbzeit schleichen sich quer durch die Mannschaft mehrere kleine Undiszipliniertheiten ein, vorn wie hinten passieren individuelle Fehler. Die Konsequenz: Wir kassieren 16 Gegentore. Hier haben wir es dem ohnehin als heimstark bekannten BHC viel zu leichtgemacht. Wir standen heute schon unter einem gewissen Erfolgsdruck und der wird nächste Woche gegen Lemgo weiter zunehmen. Dieses Heimspiel müssen wir unbedingt gewinnen. Dazu ist es in den verbleibenden Trainingseinheiten auch notwendig, die Abstimmung in Angriff und Abwehr weiter zu verbessern.

Statistik

Bergischer HC: Rudeck (13 Paraden / 24 Gegentore), Mrkva (n.e.) – Darj 5, Weck, Gunnarssson 3/3, Nippes 1, Baena, Babak 1, Szücs, Damm 6/2, Gutbrod, Petrovsky, Arnesson 2, Johannsson 4, Boomhouwer, Stutzke 2 – Sebastian Hinze.

MT Melsungen: Simic (13 Paraden / 24 Gegentore), Sjöstrand (n.e.) –  Maric 2, Kühn 7, Lemke 2, Reichmann, Ignatow 3, Kunkel, Mikkelsen 5/1, Danner, Schneider, Allendorf 1, Sidorowicz, Häfner 3, Salger 1, Pavlovic – Trainer Heiko Grimm.

Schiedsrichter: Marcus Hurst (Oberursel) / Mirko Krag (Frankfurt)

Zeitstrafen: 4 Min. – 12 Min. (Darj, Stutzke – Maric, Lemke, Danner, 2x Schneider, Häfner).

Strafwürfe: 5/9 – 1/1 (Gunnarsson scheitert an Simic 05:10 Min., Boomhouwer scheitert an Simic, 07:07 Min., Damm trifft nur den Pfosten, 19:29 Min., Gunnarsson scheitert an Simic, 51:41 Min.).

Zuschauer: ca. 2.400, Klingenhalle, Solingen

Das nächste Spiel:
Mi., 04.09.19, 19:00 Uhr, MT Melsungen – TBV Lemgo Lippe, Rothenbach-Halle Kassel