MT Talents: Offensivspektakel beim 39:36-Erfolg in Saarlouis

Die mJSG Melsungen/Körle/Guxhagen hat im zweiten Spiel der neuen Saison den zweiten Sieg in der Jugendhandball-Bundesliga eingefahren. Bei der HG Saarlouis siegte das Team von Trainer Florian Maienschein in einem temporeichen Offensivspektakel mit 39:36 (21:16). Es war pure Werbung für Leistungshandball im Jugendbereich, an der beide Mannschaften gleichermaßen ihren Anteil hatten. Dabei glänzten auf Melsunger Seite insbesondere Florian Drosten mit 15 Treffern, davon sieben von der Siebenmeterlinie, und Torhüter Lennart Claus mit 14 gehaltenen Bällen. Ein Beleg dafür, wie hoch das Tempo und die Angriffsfrequenzen auf beiden Seiten waren.

Dabei fing es zunächst vergleichsweise zäh an. Und bis zum 3:2 (7.) durch Marko Grgic sogar mit leichten Vorteilen für die Gastgeber. Dann aber fanden die MT Talents besser ins die Partie. Sie agierten geduldiger, machten das Spiel nach beiden Seiten breiter und fanden dann immer wieder die Lücken in Richtung Kreis, wo Lasse Ohl und Marcell Markos oft nur mit unfairen Mitteln zu bremsen waren. Hinten lief Lennart Claus ein erstes Mal heiß und über seine Paraden sowie einen 4:0-Lauf setzen sich die Nordhessen auf 7:3 ab (13.).

Nach einer Auszeit stabilisierte sich auch die HGS, so dass sich fortan ein abwechslungsreiches Spiel annähernd auf Augenhöhe entwickelte. Was jedoch bei den Saarländern fehlte, war die individuelle Klasse von Marco Grgic, dem die offensive Deckung gegen ihn überhaupt nicht schmeckte. Dennoch verstanden es die Hausherren, ihre Lücken zu finden. Zum Beispiel über Jonas Kawenig, der sich geschickt zum 8:11 durchschlängelte (19.). Auf der Gegenseite waren es weiter die Kreisspieler, die den Ton angaben. Sie holten entweder die Strafwürfe heraus, die Florian Drosten sicher unterbringen konnte oder trafen selbst. Weil auch Thorge Lutze gegen die nun defensivere Abwehr besser zum Zuge kam, waren es bei Halbzeit schon fünf vor.

Ein Polster, das womöglich zu sicher machte, aber nach Wiederbeginn auch dringend gebraucht wurde. Denn plötzlich waren bis dahin kaum vorhandene technische Fehler im Spiel und ließ auch die Abschlussquote der MT-Angreifer zu wünschen übrig. Keine vier Minuten waren gespielt, da legte Florian Maienschein die Grüne Karte zur Auszeit. Tim Altmeyer und der quirlige Elyas Noh per Tempogegenstoß hatten auf drei verkürzt.

Die Reaktion: der zwischenzeitlich gegen Ende des ersten Durchgangs verspätet ins Rollen gekommene Marco Grgic wurde wieder früher angegangen, in der Vorwärtsbewegung setzte der Melsunger Coach etwas später sogar auf Sieben gegen Sechs und überforderte damit die HGS-Deckung. Wieder zeigte Lennart Claus genau zur rechten Zeit Glanzparaden gegen Konrad Wagner sowie Nico Becker, vorn blieb insbesondere Florian Drosten eiskalt: mit dem 25:19 (38.) schraubte er sein persönliches Konto in den zweistelligen Bereich. Zwar robbte sich Saarlouis wieder auf 28:24 heran (Tim Altmeyer, 43.), doch prompt legten die MT Talents wieder eine Schippe drauf und enteilten durch Florian Potzkai auf 31:24 (46.).

Was noch längst nicht die Entscheidung war, weil die Gastgeber zu keiner Sekunde Anstalten machten, ihre Bemühungen zurückzuschrauben oder gar aufzugeben. Unermüdlich Konrad Wagner in linken wie Tim Altmeyer im rechten Rückraum, Rouven Schneider clever am Kreis. Jeder dieses Trios steuerte zwei Treffer bei und die Gastgeber waren wieder auf 30:33 dran (52.), womit die Schlussphase zum Krimi zu geraten drohte. Dass es keiner wurde, dafür sorgte die wiedergefundene Sicherheit der MT Talents im Abschluss. So sehr sich die Saarländer auch mühten, näher als auf genau diese drei kamen sie nicht mehr heran.

Stimmen zum Spiel

Florian Maienschein:  Wir sind gut ins Spiel reingekommen, weil wir über unsere versetzte 5:1-Deckung den nötigen Druck auf Saarlouis‘ Rückraum ausüben konnten. Den haben wir immer vor Aufgaben stellen können. Selbst sind wir mit Tempo nach vorn gegangen und waren in unseren Abschlüssen sehr effektiv. Trotz den plus fünf zur Halbzeit war uns aber klar, dass wir noch eine Schippe draufpacken müssen. Dann kamen wir nicht gut rein in die zweite Hälfte und haben die HGS mit dummen Fehlern zurück ins Spiel geholt. Als Manuel Hörr kürzer genommen wurde, haben wir mit Sieben gegen Sechs reagiert und darüber unsere Sicherheit wieder gefunden. In den Schlussminuten sind wir schließlich zurück auf die 5:1-Variante und haben es über die Zeit gebracht.

Tom Paetow: Das Spiel ist schnell erzählt: wir haben es nicht geschafft, Melsungen zu verteidigen. Waren viel zu löcherig hinten in der Mitte. Wir wussten, dass nicht so viel aus dem Rückraum kommt und haben sie trotzdem nicht gestoppt bekommen. In die zweite Halbzeit kamen wir gut rein, aber das hat Melsungen schnell mit einer Auszeit unterbunden und gegen ihr anschließendes Sieben gegen Sechs hatten wir auch keine Lösung. Sie haben einfach gut gespielt. Wir haben 36 Tore geworfen und da einen guten Job gemacht. Aber wenn man in der eigenen Halle 39 kassiert, weiß man, woran es gelegen hat.

Statistik

MT Talents: Claus (14 Paraden, 36 Gegentore), Beck (x P. / 0 G.) , Wolf (n. e.) – Ohl 3, Hörr 4, Pickenhahn 1, Backhaus 3, Markos 2, Lutze 7, Potzkai 4, Ebner, Dhaliwal, Drosten 15/7, Goujard – Trainer Florian Maienschein.

HG Saarlouis: Härtig (5 P. / 23 G.), Heß (4 P. / 16 G.) – Kawenig 2, Müller, Becker 1, Bornmann, Altmeyer 6, Schramm, Grgic 7/2, Reitz 1, Schneider 3, Wagner 9/1, Wolfanger, Noh 7 – Trainer Tom Paetow.

Z: 100 SR: Weber / Weber (Metter-Enz) - Strafen: 6 : 16 Minuten – 7m: 10/7 : 4/3.