Nebojsa Simic bleibt der MT erhalten: Torhüter verlängert vorzeitig

Er trägt seit 2017 das Trikot von Handball-Bundesligist MT Melsungen und hat sich von Anfang an in die Herzen der Fans gespielt. Nebojsa Simic ist zweifellos eine Frohnatur und versteht es, seine Mitmenschen mit seiner offenen und positiven Ausstrahlung für sich zu gewinnen. Das gelingt ihm auch mit seiner emotionalen Art und teilweise spektakulären Paraden auf dem Spielfeld. Wenn er zwischen den Pfosten steht und jede Aktion des Gegners scannt, die auf sein Tor zurollt, dann ist er ganz in seinem Element. Sein bisheriger Vertrag mit den Rotweißen war zunächst bis Ende dieser Saison terminiert. Nun hat der 29-jährige Montenegriner vorzeitig verlängert und bleibt dem Verein und damit den nordhessischen Handballfans bis 2026 erhalten.



“Ich bin jetzt seit fünf Jahren in Melsungen und fühle mich hier sehr wohl. Da ist es für mich logisch, dass die MT mein erster Ansprechpartner ist, wenn es um meine weitere sportliche Zukunft geht. Wenn es dann von beiden Seiten aus ein Interesse gibt, weiter zusammenzuarbeiten, steht einer Vertragsverlängerung nichts im Wege. Ich brauchte da gar nicht lange zu überlegen. Denn hier läuft alles wirklich sehr gut für mich und meine Familie. Die Menschen sind gut zu uns, Melsungen als Wohnort gefällt uns, wir können hier sehr gut leben. Und so haben der Verein und ich den Vertrag der noch bis zum Ende der nächsten Saison gelaufen wäre, um drei weitere Jahr bis 2026 verlängert”.

Beim nordhessischen Bundesligisten weiß man, was man an Nebojsa Simic hat: “Simo ist nicht nur ein top Torhüter und tadelloser Sportsmann, sondern außerhalb des Spielfeldes auch eine wichtige Integrationsfigur. Insofern ist es als Verein nur konsequent, solche Charaktere länger an sich zu binden. Erst recht, wenn sie– wie in seinem Fall – zuverlässig Leistungen auf hohem Niveau erbringen. Mit seinen 29 Jahren verfügt er einerseits über die nötige Erfahrung, steuert aber erst noch auf das sogenannte beste Torhüteralter zu.”, begründet MT-Vorstand Axel Geerken, früher selbst Bundesligatorhüter, die Vertragsverlängerung mit dem Montenegriner gleich um drei Jahre.

Für Sportdirektor Michael Allendorf zählt ein weiterer Aspekt: “Wir haben in dieser Saison viele neue Gesichter hinzubekommen Umso wichtiger ist es, auch Spieler wie Simo im Team zu haben, die aufgrund ihres längerfristigen Engagements für Kontinuität stehen und die Liga sehr gut kennen”. Dass Nebojsa Simic darüber hinaus einer der absoluten Publikumslieblinge ist, bestärkte den Verein zusätzlich in dieser Personalentscheidung.  



Der Keeper selbst fühlt sich nicht nur im Verein wohl, sondern allgemein in seinem Lebensumfeld  “Deutschland ist überhaupt ein richtig geiles Land”, schwärmt Nebojsa Simic. ”Ich habe mich damals hier sehr schnell integriert und die Sprache gelernt. Die Menschen hier sind offen und immer hilfsbereit. Die Mentalität ist vergleichbar mit der auf dem Balkan. Auch hier ist man familienorientiert. Wenn zum Beispiel unsere jungen Spieler frei haben, fahren sie immer zu ihren Eltern. In Deutschland kann man einfach freier leben. Klar, man muss hier natürlich auch die Regeln beachten, aber man kann ansonsten alles machen, ohne dass man von anderen gleich schräg angeguckt wird. Die Leute hier sind einfach cool. Und so ist es auch mein Ziel, hier in Deutschland solange Handball zu spielen, bis ich meine Karriere beende”.

Das könne nach seinem Empfinden durchaus noch eine Weile dauern. Denn er fühle sich körperlich topfit. Er habe zwar im Laufe der Zeit immer mehr Spielanteile bekommen und damit auch eine steigende Belastung erfahren, aber das sei gut zu verkraften. Und immer, wenn eine neue Saison ansteht, dann würden in der Vorbereitungszeit auch wieder die bewährten Automatismen greifen, um sich körperlich auf die hohen Anforderungen einzustellen, verrät der verheiratete Vater eines zweijährigen Sohnes.

Zu ihm als Familienmensch passt auch seine soziale Einstellung, anderen zu helfen. So engagiert er sich in seiner Heimat als Botschafter für eine Hilfsorganisation, die mittels Spenden die medizinische Behandlung kranker Kinder ermöglicht. Dabei unterstützt er deren Arbeit auch mit seinem eigenen Geld. Er setzt seine Bekanntheit gern für den guten Zweck ein. In Montenegro ist Nebojsa Simic ein Sportstar. Als er im Frühjahr  in der WM-Qualifikation mit spektakulären Paraden maßgeblich dazu beitrug, dass die montenegrinische Auswahl bei den nächsten Welttitelkämpfen dabei ist, hat das seine Beliebt- und Bekanntheit noch weiter gesteigert. “Das ist mir schon manchmal unangenehm. Wenn ich dort irgendwo in ein Café gehe, dann darf ich nichts bezahlen”, lacht  Simo.

Zur MT Melsungen kam Nebojsa Simic in 2017 übrigens nicht aus Montenegro, sondern aus Schweden. Bereits im Alter von 19 Jahren hatte er seinen Heimatverein HC Lovcen Cetinje Richtung Skandinavien verlassen, um dort zunächst beim Zweitligisten H 43 Lund anzuheuern. Dieses Engagement dauerte zwar nur eine Saison, endete aber mit dem Aufstieg in die Erste Liga. Anschließend ging es für zwei Jahre nach Malmö, und danach für weitere zwei Jahre nach Kristianstad. Für den Torwart sollte dies die bis dahin erfolgreichste Station werden, wie die zwei schwedischen Meisterschaften und die Teilnahme an der Champions League belegen.

Weil er ein gewisses Faible für Sprachen besitzt, war es für ihn nicht schwer, sich damals in Schweden schnell einzugewöhnen. Und er gesteht: “Mein Schwedisch ist nach den fünf Jahren in Deutschland nicht mehr so gut. Ich könnte mich jedoch verständigen und im Restaurant etwas zu essen bestellen”, so Simo augenzwinernd. Ja, er habe durchaus ein gewisses sprachliches Talent und verrät, dass er sich außer in seiner Muttersprache und in schwedisch auch noch in italienisch, deutsch, spanisch und englisch unterhalten kann.

Und auch dazu hat er wieder eine kleine Geschichte parat: “Agustin Casado zum Beispiel, mein neuer Mannschaftskollege , der ja bislang nur spanisch spricht, war ziemlich überrascht, dass ich ihn verstehe und ihm auch in seiner Sprache antworten kann”. Spanisch zu können, sei nach Simo’s Meinung ohnehin viel wichtiger als zum Beispiel Schwedisch, weil das ja weltweit viel verbreiteter ist. “Ich habe spanisch, nicht so wie Italienisch in der Schule gelernt”, schiebt er nach, “sondern vor dem Fernseher. Schon als Jugendlicher habe ich spanische Serien geschaut und mir so das Wichtigste selber beigebracht. Wenn ich jetzt wieder öfter mit meinen Spanisch sprechenden Mitspielern rede, dann wird es bei mir immer besser”. Womit Nebojsa Simic so ganz nebenbei auch wieder seinen Ruf als Integrationsfigur bestätigt.

Alle Fotos: A. Käsler