Großes Kino – MT bezwingt den THW 27:22
Die MT Melsungen hat einmal mehr ihre Heimstärke unter Beweis gestellt. Am 24. Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga bezwangen die Nordhessen den THW Kiel verdient 27:22 (11:12).
Großes Handball-Kino in der Kasseler Rothenbach-Halle: Die MT Melsungen hat nach einem unglaublich intensiven Spitzenspiel gegen den THW Kiel einen 27:22 (11:12)-Sieg gefeiert. Vor allem die bärenstarke Abwehr um Adrian Sipos machte dem Rekordmeister das Leben enorm schwer. Obendrein präsentierte sich MT-Keeper Nebojsa Simic mit 14 Paraden in blendender Form.
Bereits vor der Partie durfte sich MT-Trainer Roberto Garcia Parrondo freuen. Denn mit Elvar Örn Jonnson (Foto: Käsler) kehrte am Samstagnachmittag einer der zig Verletzten zurück. Der Isländer verlieh der Deckung zusätzlich Stabilität und brachte zudem ordentlich Wumms in den Angriff – mit sechs Treffern war er bester MT-Schütze.
Verbissen ging es zu Werke, und nach Erik Balenciagas Führungstreffer erst einmal mit Vorteilen beim Rekordmeister, obwohl Nebojsa Simic mit Paraden gegen Harald Reinkind und Hendrik Pekeler sofort auf Betriebstemperatur war. Um die auch mit Toren zu veredeln, dazu war das Offensivspiel jedoch zu fehlerbehaftet. Kiel spielte geduldig, präzise und am Ende trotz Simic erfolgreich. Auch glücklich, wie bei Bence Imres Siebenmeter zum 3:6 (11.), an dem der MT-Keeper dran war, der aber doch noch über die Linie trudelte.
Simic war dennoch der Garant dafür, dass die MT dranblieb. Und Jonsson: Erst mit dem selbst erzielten 5:6-Anschluss, dann mit klasse Zuspiel auf Ian Barrufet, der den Gleichstand herbeiführte. Ein Muster ohne Wert jedoch, weil die Zebras eiskalt zurückschlugen und nach Elias á Skipagotus Treffer nach 20 Minuten gar 11:7 führten.
Vor allem defensiv extrem verbessert, fanden die Gastgeber nach einer Auszeit zurück in die Spur. Nach satten zehn Minuten beendete Imre per Siebenmeter die Kieler Torflaute und verwandelte zum 10:12 (30.). Dainis Kristopans verkürzte im Spiel mit einem Feldspieler mehr aber vor dem Halbzeitpfiff noch einmal.
Anfang des zweiten Durchgangs waren die Nordhessen nach Jonathan Svenssons 13:13 (33.) kurzzeitig wieder zurück im Geschäft. Doch analog zur ersten Hälfte schaltete Kiel auch diesmal sofort einen Gang höher, Imre und á Skipagotu stellten auf 13:15 (35.). Aber die MT blieb dran, unterstützt von den Fans in der restlos ausverkauften Rothenbach-Halle. Logisch, dass es immer emotionaler wurde: Jonsson mit Urgewalt zum 16:16. Kristopans unter härtester Bedrängnis zum 17:16 (41.).
Nun war endgültig Feuer drin. Längst ging es nicht mehr um Schönheitspreise, obwohl Johansson einen für sein 17:17 nach Kempa-Anspiel verdient gehabt hätte. Preiswürdig aber auch die spektakulären Aktionen von Simic, der zweimal Harald Reinkind entzauberte. Den Vogel schoss aber Adam Morawski ab, der beim Siebenmeter von Imre aufs Feld kam – und es nach einer Glanzparade mit geballten Fäusten und unter tosendem Jubel wieder verließ.
In die finalen neun Minuten ging es nach Dimitri Ignatows Treffer mit zwei vor für die MT, dazu einer Blitzreaktion von Simic beim Wurf von Johansson. Grandios, mit welcher Leidenschaft das so gebeutelte Team der Nordhessen sich der ungestüm anrennenden Zebras erwehrte und Blocks in Reihe lieferte. Und was machte vorn Jonsson? Der ballerte die Kugel aus dem dritten Stock zum 23:20 (56.) ins linke untere Eck. Weltklasse!
Spätestens nach Ignatows 25:21 (57.) hielt es in der Halle niemanden mehr auf dem Sitz. Morawskis zweiter gehaltener Siebenmeter, diesmal gegen Lukas Zerbe, führte zu tumultartigen Freudentänzen, und der tosende Jubel kannte keinerlei Grenzen mehr, als Simic seinen 14. gehaltenen Ball passgenau mit der Schlusssirene zum Endstand im gegenüberliegenden Gehäuse unterbrachte.
Schluss, Aus, Ende. Zum zwölften Mal in dieser Bundesliga-Saison verließ die MT das Feld in der eigenen Halle unter frenetischem Beifall als Sieger. (Michael Koch / Robin Lipke)
Stimmen
Roberto Garcia Parrondo: Das war sehr wichtig für uns. Ich möchte noch einmal sagen, dass seit Weihnachten unsere Verletzten immer mehr wurden. Deshalb sind wir im Moment in einer sehr schwierigen Situation. Aber ich möchte meiner Mannschaft Danke sagen für ihren großen Einsatz. Sie hat gegen Kiel heute trotzdem einen sehr guten Handball gespielt.
Filip Jicha: Herzlichen Glückwunsch an Roberto und seine Mannschaft. Sie haben aufgrund der zweiten Halbzeit verdient gewonnen. Ich bin super enttäuscht von meiner Mannschaft, weil wie in der ersten Hälfte eigentlich gut gespielt, es dann aber in der Crunchtime nicht durchgezogen haben. Es fehlte uns am Ende an Qualität. Gute Chancen, die wir uns erspielt haben, konnten wir nicht nutzen und sind auch an Simic gescheitert. Diese Niederlage tut weh.
Statistik
MT Melsungen: Simic (14 Paraden / 21 Gegentore) 1 Tor, Morawski (2 P. / 1 G.); Enderleit 1, Balenciaga 4, Sipos, Kristopans 4, Ignatow 3, Moraes 2, Danner, Jonsson 6, Soler, Svensson 2, Kastening 1, Barrufet 3 – Trainer Roberto Garcia Parrondo.
THW Kiel: Mrkva (8 Paraden / 22 Gegentore), Wolff (0 P. / 5 G.); Duvnjak, Reinkind 4, Landin 1, Overby, Wiencek, Pabst, Johansson 5, Dahmke, Zerbe 1/1, Kutz, Pekeler 1, á Skipagotu 4, Imre 6/2 – Trainer Filip Jicha.
Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah (München) / Suresh Thiyagarajah (Köln); Spielaufsicht: Thorsten Zacharias.
Zeitstrafen: 4 – 8 Minuten (Barrufet 16:09, Ignatow 48:19 – Reinkind 9:11/24:26, Overby 40:05, Wiencek 49:23)
Strafwürfe: 1/0 – 5/3 (Barrufet trifft nur Aluminium 24:30 – Morawski hält Wurf von Imre 46:15, Morawski entzaubert auch Zerbe 57:43)
Zuschauer: 4.500 in der Rothenbach-Halle, Kassel (ausverkauft)
Spielstände: 1:0 (2.), 1:3 (6.), 3:6 (11.), 6:6 (15.), 6:9 (18.), 7:11 (20.), 10:11 (27.), 10:12 (30.), 11:12 (30.) HZ – 11:13 (32.), 13:13 (33.), 16:16 (39.), 17:16 (41.), 20:20 (49.), 23:20 (56.), 23:21 (56.), 26:21 (59.), 26:22 (59.), 27:22 (60.) Endstand.