MT macht’s gegen Erlangen dann doch deutlich

Das war ein hartes Stück Arbeit, aber am Ende dann doch deutlich: Die MT Melsungen hat am neunten Spieltag der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga zurück in die Erfolgsspur gefunden. Am Montagabend gewannen die Rot-Weißen verdient 32:25 (17:13) gegen den HC Erlangen.

Nach starker erster Hälfte, einer kleinen Flaute zu Beginn der zweiten Halbzeit und einem umso intensiveren Comeback verfestigt sich der in dieser Saison bisher gewonnene Eindruck von den Nordhessen immer mehr: Sie lassen sich auch von kurzen Einbrüchen überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Selbst als es knapp wurde, hatte man nie den Eindruck, als könne Melsungen das Spiel aus der Hand geben. 

Überraschungen in Melsungens Startformation gab es in dieser Spielzeit bisher regelmäßig. So auch diesmal, denn: Es gab beim Anpfiff ausnahmsweise mal keine Überraschung auf dem Parkett! Nebojsa Simic im Tor, David Mandic und Timo Kastening auf den Außenbahnen sowie Rogerio Moraes am Kreis, der in der Deckung von Adrian Sipos abgelöst wurde; dazu Erik Balenciaga, Elvar Örn Jonsson und Ivan Martinovic im Rückraum. Eine Besetzung, mit der Erlangen zunächst einmal nicht viel anzufangen wusste. Insbesondere im Vorwärtsgang, wo Nico Büdel einen Wurf neben das Tor setzte, den zweiten von Jonathan Svensson blockte Jonsson. Gelegenheit also für die Hausherren, gleich mal was vorzulegen.

Was trotz eines früh vergebenen Siebenmeters von Timo Kastening gelang. Denn der MT-Rechtsaußen machte seinen Fauxpas umgehend wett mit dem zweiten Strafwurf zum 4:1 (7.). Und nach einem kleinen Aufbäumen der Gäste, die nach zehn Minuten durch Christoph Steinert zum 4:3 aufschlossen, rechtfertigte Ivan Martinovic seine Nominierung für die Start-Sieben mit seinen Treffern zwei bis vier. Denen Rogerio Moraes das 9:4 (16.) unmittelbar hinterherschickte. Frühzeitig also klare Verhältnisse in Kassel, so dass Trainer Roberto Garcia auch schon nach etwas mehr als 15 gespielten Minuten mit den ersten Wechseln beginnen und die individuellen Belastungen steuern konnte.

Dainis Kristopans kam, Arnar Freyr Arnarsson kam, Julius Kühn kam. Alles ohne sichtbare Auswirkungen auf das Spielverständnis miteinander, alles in sehr geschmeidigem Fluss. Da glänzte Balenciaga mit einem Traumanspiel auf Arnarsson, traf Kühn fast von Halbrechts und bewies Kristopans, dass er Bertram Obling auch mit einem gefühlvollen Heber zu überwinden verstand.

Was nicht ganz so passte, das war die Abwehrarbeit. Die erreichte nicht das Niveau der Abteilung Attacke, ließ Simic im Kasten zu oft allein. Dennoch reichte es in Summe, um die durchaus gefällig spielenden Franken zur Pause auf vier Abstand zu halten.

Mit dem Malus einer noch aus dem ersten Durchgang resultierenden Zeitstrafe gegen Adrian Sipos kam die MT nicht gut in die zweite Hälfte. Ganz im Gegensatz zum HCE, der sofort wieder hellwach war. In Zahlen ausgedrückt: Als Sebastian Firnhaber den direkten Anschluss zum 19:18 (38.) herstellte, hatte die MT erst zweimal durch Timo Kastening von der Siebenmeterlinie getroffen. Erst ein Kopftreffer, den Christopher Bissen im Gegenstoß Nebojsa Simic verpasste – und dafür zwei Minuten vom Feld musste – und das erste Feldtor nach dem Seitenwechsel durch Jonsson zum 20:18 weckten die Nordhessen wieder auf.

Es war ebenfalls Simic, der mit einer Fußparade und einem abgefangenen Ball im Halbfeld für Stimmung sorgte. Und es war die ursprüngliche rot-weiße Startformation, die zu Beginn des letzten Spieldrittels den Kurs neu setzte. Ivan Martinovic per Siebenmeter, Adrian Sipos und Timo Kastening jeweils nach Ballgewinnen in der Abwehr ins verlassene HCE-Tor, als Tim Zechel eine Strafe absitzen musste, sowie Elvar Örn Jonsson mit einem Schlagwurf aus der Hüfte und Rogerio Moraes unter Bedrängnis vom Kreis, distanzierten die Gäste binnen fünf Minuten auf 26:21 (48.). Die Melsunger Welt und vor allem die ihrer Fans war schnell wieder in Ordnung. 

Der endgültige Knockout war das natürlich noch nicht für die Erlanger, die sich vor allem in Person von Simon Jeppsson nach Kräften wehrten. Doch als dann einmal mehr Nebojsa Simic gegen Christoph Steinert Sieger blieb und Elvar Örn Jonsson per Dreierpack auf 30:23 (54.) stellte, war die Partie schließlich doch frühzeitig durch.

Die letzten fünf Minuten gehörten deshalb sowohl Adam Morawski als auch den Jugendlichen Manuel Hörr, Florian Drosten und Tom Wolf, die nochmal ran durften. Und absolut nichts anbrennen ließen. Bis auf einen letzten Jeppsson-Treffer ließen sie hinten nichts mehr zu. Und als Drosten sich Sekunden vor Abpfiff gegen zu siebt angreifende Franken das Leder hinten angelte und über das gesamte Feld zum Endstand ins leere HCE-Tor schmiss, kannte der Jubel auf den Tribünen kaum noch ein Ende. (Michael Koch)

Stimmen zum Spiel
Roberto Garcia Parrondo: Wir sind natürlich sehr zufrieden mit diesem Sieg. Wir haben uns die beiden Punkte heute mit einer sehr guten Abwehr erspielt. Aber auch der Angriff war über weite Strecken gut. Wir müssen diese Leistung und unsere derzeitige Situation einfach genießen.

Hartmut Mayerhoffer: Glückwunsch an Roberto und die MT zum Sieg, der für unsere Begriffe um ein paar Tore zu hoch ausgefallen ist. In der ersten Halbzeit hatten wir noch ein paar Probleme mit dem Kreisspiel und dem Tempo, dafür in der zweiten dann viele gute Lösungen gefunden und waren bis auf eins dran. Dann haben wir es leider hergeschenkt. Ich habe heute viele gute Sachen gesehen, aber auch vieles, was wir besser machen müssen.

Statistik
MT Melsungen: Simic (8 Paraden / 24 Gegentore), Morawski (0 P. / 1 G.); Kühn 1, Balenciaga 1, Mandic, Sipos 1, Kristopans 2, Ignatow, Moraes 3, Drosten 1, Jonsson 6, Arnarsson 2, Wolf, Hörr, Martinovic 7/3, Kastening 8/3 – Trainer Roberto Garcia Parrondo.

HC Erlangen: Obling (5 Parade / 28 Gegentore), Haßferter (0 P. / 4 G.); Lonborg 3, Seitz, Bialowas, Mävers 1, Firnhaber 2, Büdel 3, Bissel 2, Svensson, Guardiola, Link, Jeppsson 9/4, Steinert 1, Olsson 3, Zechel 1 – Trainer Hartmut Mayerhoffer.

Schiedsrichter: Julian Fedtke (Berlin) / Niels Wienrich (Berlin); DHB-Spielaufsicht:Peter Behrens

Zeitstrafen: 4 – 8 Minuten (Sipos 16:36/28:36 – Bissel 1:02/38:42, Zechel 42:34, Link 49:51)

Strafwürfe: 8/6 – 6/4 (Kastening scheitert an Obling 1:05, Martinovic scheitert an Obling 56:05 – Steinert scheitert an Simic 16:35, Jeppsson an die Latte 34:40)

Zuschauer: 3.420 in der Rothenbach-Halle, Kassel

Spielstände: 1:0 (3.), 2:0 (5.), 4:1 (7.), 5:4 (11.), 9:4 (16.), 10:5 (17.), 12:7 (21.), 13:10 (25.), 15:10 (27.), 17:12 (30.), 17:13 (30.) HZ – 17:14 (31.), 18:16 (33.), 20:19 (38.), 21:20 (42.), 24:20 (45.), 27:21 (51.), 29:23 (53.), 31:24 (57.), 32:25 (30.) Endstand.